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Editorial

Wohnmaschine neu erfinden

Fast 100 Jahre ist es her, das der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier in einem Fachbeitrag für eine Architekturzeitschrift den Begriff von der Wohnmaschine prägte. Er selbst hat den Begriff in den Folgejahren zwar nicht mehr verwendet, vor allem auch deshalb, weil er – häufig missverstanden oder missbraucht – für unsachliche Kritik an seinen Ideen, Entwürfen und Projekten instrumentalisiert wurde. Dabei ist der Begriff aus funktionalem Blickwinkel betrachtet heute aktueller als jemals zuvor. Was wohl Le Corbusier mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Gebäudetechnik machen würde? Vielleicht eine Wohnmaschine entwerfen?

Ein Gebäude – egal ob Wohngebäude oder Zweckbau – als Maschine zu sehen, ist heute durchaus nicht abwegig. Wie bei einer Maschine auch, gibt es Aspekte der Produktion. Wärme, Wasser, Energie, gute Luft oder auch Sicherheit und Komfort können ohne weiteres als Produkte eines Gebäudes betrachtet werden. Dazu benötigt man dementsprechende Ausgangsmaterialien, man hat demzufolge einen Energiebedarf und natürlich Produktionskosten.

Auch in technischer Hinsicht ist es spannend, ein Gebäude als Maschine zu betrachten, mit seiner Sensorik, seiner Vernetzung, Steuerungstechnik und Aktorik bis hin zur Bedienung und Visualisierung. Schließlich sind dies alles Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung, die wie ein Uhrwerk – oder eben wie eine Maschine – nahtlos zusammenarbeiten sollten.

Nur leider ist dieser Anspruch noch viel zu oft von der Wirklichkeit entfernt. Dies beginnt bei der Planung und endet nicht bei der Visualisierung. Überwiegend sind automatisierte Gewerke als Insellösungen implementiert und damit bleibt die Automatisierung weit hinter ihren Möglichkeiten. Gebäudetechnische Systeme könnten ihre Produkte effizienter und in höherer Qualität liefern, wenn sie auch Zugriff auf Informationen und Sensorwerte anderer Systeme im Gebäude hätten. Man kann sich also durchaus von den Erfahrungen aus dem Maschinen- und Anlagenbau auch im Gebäude inspirieren lassen.

Vor 100 Jahren war es ein überraschender Gedanke eine Wohnung als Maschine zu sehen. Demzufolge löste Le Corbusier viel Widerspruch aus. Er selbst hat seiner eher beiläufig erfolgten Wortschöpfung keine all zu große Bedeutung beigemessen. Auch hätte er den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Idee völlig anders und nicht vor allem in funktionaler Hinsicht gelegt.

Dennoch zeigt der Gedanke von der Wohnmaschine selbst heute noch, wo die Reise in der digitalen Gebäudetechnik hingehen muss. Mit jeder Ausgabe der GEBÄUDEDIGITAL wollen wir hierzu unseren Beitrag leisten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern
viel Spaß mit der vorliegenden Lektüre

Ihr Kai Binder
Chefredakteur GEBÄUDEDIGITAL

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