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Dena-Wettbewerb: Passivhaus-Schulzentrum gewinnt Energieeffizienz-Preis

Kommunen, die auf dem Gebiet der Energieeffizienzsteigerung und Energieeinsparung vorbildlich aktiv sind, hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) am 19. September 2012 im Rahmen des Wettbewerbs ‚Energieeffizienz in Kommunen – Gute Beispiele 2012‘ auf dem dritten Dena-Energieeffizienzkongress in Berlin ausgezeichnet. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz erhielt z.B. für ein Bildungszentrum in Passivhausbauweise einen zweiten Preis.
Kommunen können bei der Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland besonders viel bewirken – nicht nur, weil Städte und Gemeinden selber in verschiedenen Bereichen Energie verbrauchen, sondern auch aufgrund ihrer Nähe zu Bürgern und Unternehmen vor Ort. Geht es um den eigenen Energieverbrauch, so macht der Heizenergieverbrauch in kommunalen Liegenschaften häufig den größten Kostenblock aus. Ihn zu senken bedeutet zumeist auch direkte Kostenentlastungen für öffentliche Haushalte. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat am 19. September 2012 im Rahmen des Wettbewerbs ‚Energieeffizienz in Kommunen – Gute Beispiele 2012‘ auf dem dritten Dena-Energieeffizienzkongress in Berlin Kommunen, die auf dem Gebiet der Energieeffizienzsteigerung und Energieeinsparung bereits vorbildlich aktiv sind, ausgezeichnet. So erhielt beispielsweise der Landkreis Oberspreewald-Lausitz für ein Bildungszentrum in Passivhausbauweise, das sich u.a. durch besonders energieeffiziente Gebäudetechnik hervorhebt, einen zweiten Preis.

Das Passivhaus-Bildungszentrum ‚SeeCampus Niederlausitz‘

Das Bildungszentrum ‚SeeCampus Niederlausitz‘ wurde 2011 im Auftrag des Landkreises in der brandenburgischen Stadt Schwarzheide errichtet. Der SeeCampus ist eine beispielhafte Antwort auf Herausforderungen wie sinkende Schülerzahlen und sanierungsbedürftige Schulen. Statt ältere Gebäude an unterschiedlichen Standorten aufwändig zu sanieren, wurde ein Neubaukomplex entsprechend der aktuellen Bedürfnisse geplant. Der Schulkomplex bietet nicht nur einem Gymnasium, einem Oberstufenzentrum und einer kommunalen Bibliothek Platz. Er wird auch von Sportvereinen und für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Kooperation des Landkreises, der Städte Schwarzheide und Lauchhammer, der BASF Schwarzheide sowie der Landesregierung Brandenburg. Mehrere Faktoren unterstreichen den Passivhausstandard des neuen Gebäudes. So liegt der Wärmebedarf bei maximal 15kWh/m² und Jahr. Erreicht wird dieser Wert insbesondere durch eine stark gedämmte Außenhülle sowie energieeffiziente Gebäudetechnik. Die kompakte Bauweise des Gebäudes schafft ein gutes Verhältnis zwischen Nutzfläche und Gebäudehülle, was wiederum den geringen Energiebedarf ermöglicht. Durch die Südwestausrichtung des Gebäudes lassen sich solare Energieeinträge sehr gut nutzen. Dies wird durch die in einigen Bereichen eingebauten Latentwärmespeicher im Deckenbereich unterstützt. Die Wärme kann so tagsüber verlustarm und über viele Wiederholungszyklen gespeichert und nachts wieder abgegeben werden.

60% aller Heiztage abgedeckt

Die Beheizung des Schulkomplexes erfolgt über einen Gas-Brennwertkessel, eine Gasmotorwärmepumpe sowie einen Pufferspeicher. Die zentrale Warmwasserbereitung wird durch eine thermische Solaranlage mit einer Kollektorfläche von 32m² unterstützt. Bis zu einer Außenlufttemperatur von ca. 2°C übernimmt die Gasmotorwärmepumpe die Bereitstellung der gesamten Energie für Lüftung und Grundheizung. So werden bis zu 60% aller Heiztage einer Heizperiode abgedeckt. Zur Energiegewinnung nutzt die Gasmotorwärmepumpe dabei die Außenluft. So erreicht sie einen Heizungswirkungsgrad von 154%. In den Sommermonaten wird bei Außenlufttemperaturen bis 32°C der gesamte Kühlenergiebedarf zur Raumlufttemperierung ebenfalls über die Gasmotorwärmepumpe bereitgestellt. Die Motorabwärme der Wärmepumpe wird zur Trinkwarmwasserbereitung verwendet. Für eine kontrollierte Raumlüftung sorgt eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit einem Temperaturwirkungsgrad von 90%, einer Feuchterückgewinnung von bis zu 65% sowie einem variablen Luftvolumenstrom. Die Zuluft wird in der Heizperiode über ein Luftheizregister mit Restwärme beheizt. Klassenräume, Schulverwaltung, Bibliothek, Aula und Sporthalle werden im Sommer nach Bedarf aktiv gekühlt. In den Verkehrsflächen und Umkleiden sowie in der Mensa und Cafeteria erfolgt eine freie Kühlung über einen Bypass. Zum Kühlkonzept gehört auch die elektrisch angetriebene Außenverschattung. Sie wird in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung und der gewünschten Raumtemperatur gesteuert.

Zentrale Gebäudeleittechnik

Ein innovatives Lichtsteuerungssystem steuert die energiesparenden Leuchten tageslichtabhängig mit einer Konstantlichtregelung und bedarfsabhängig über Präsenzmelder und Schaltuhren. Alle haustechnischen Anlagen können über eine zentrale Gebäudeleittechnik gesteuert und per Webserver digital fernausgelesen werden. Auch bei der Ausstattung des Gebäudes wurden anspruchsvolle Energieeffizienzkriterien berücksichtigt, beispielsweise bei der gesamten IT- und Medientechnik. So liegen die Betriebskosten des Gebäudekomplexes insgesamt deutlich unter denen herkömmlicher Schulneubauten. Hervorzuheben ist auch, dass das Passivhausprojekt thematisch in den Schulunterricht einbezogen wird.

‚Good Practice Energieeffizienz‘

Das Projekt zeigt, wie Kommunen ihre Vorbildrolle bei der Steigerung der Energieeffizienz wahrnehmen können. Es lässt sich gut in anderen Städten und Gemeinden umsetzen. Über die Prämierung im Wettbewerb hinaus wurde dem Projekt das Label ‚Good Practice Energieeffizienz‘ der Dena verliehen. Das Good-Practice-Label zeichnet Projekte aus, mit denen erfolgreich die Energieeffizienz gesteigert und der Endenergieverbrauch gesenkt werden konnte. Ziel des Labels ist es, erfolgreiche Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz bekannt zu machen, um weitere Akteure und Institutionen dazu zu motivieren, eigene Maßnahmen umzusetzen. Alle ausgezeichneten Projekte werden detailliert im Internet veröffentlicht, um zur Nachahmung anzuregen und Erfolgspotenziale aufzuzeigen. Das Dena-Label kann für das Marketing sowie die interne und externe Kommunikation dieser Projekte genutzt werden. Die ‚Auszeichnung Good Practice Energieeffizienz‘ sowie den Wettbewerb ‚Energieeffizienz in Kommunen – Gute Beispiele 2012‘ setzt die Dena im Rahmen der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten Kommunikationsplattform zur nationalen Umsetzung der EU-Energiedienstleistungsrichtlinie (EU-EDL-Richtlinie) um. Weitere Good-Practice-Projekte, in denen energieeffiziente Gebäudetechnik zum Einsatz kommt, finden sich unter www.energieeffizienz-online.info.

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