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Barrierefreie
Lebens(t)räume

Liebe Leserinnen und Leser,

durch den demografischen Wandel rückt das Thema technikgestütztes Leben immer mehr in den Vordergrund. Neben der zunehmenden Alterung der Gesellschaft gibt es immer mehr Single-Haushalte in Deutschland. Die Zahl der älteren und alleinstehenden Menschen wird in den kommenden Jahren erheblich zunehmen. Längst haben alle Hersteller von Haus- und Gebäudesystemtechnik Produkte für ein komfortables und unabhängiges Wohnen im Alter und ein langes Leben in den eigenen vier Wänden im Angebot. Auch auf der vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) durchgeführten Sonderschau ‚E-Haus‘ – regelmäßig auf den Messen der Branche zu sehen – ist der Bereich Ambient Assisted Living (AAL; übersetzt: umgebungsunterstütztes Leben) mittlerweile ein fester Bestandteil geworden. AAL-Anwendungen sind meist eine Kombination unterschiedlicher Komponenten von verschiedenen Branchen, Funktionen und Herstellern. Häufig wird der Fehler gemacht, AAL-Lösungen auf alte und behinderte Menschen zu reduzieren. Die Systeme lassen sich aber oftmals generationenübergreifend nutzen. Was für junge Leute ein Plus an Komfort bedeutet, ist für die ältere Generation nützliche Unterstützung im Alltag. Ab Seite 48 haben wir für Sie dieses komplexe Thema aufbereitet. Hier werden zum einen einige Anwendungsszenarien für technische Assistenzsysteme beschrieben und zum anderen die Anforderungen solcher Systeme an die Elektroinstallation skizziert. Schnell wird hier deutlich, dass durch neue Pflegekonzepte und die Installation technischer Assistenzsysteme ein lukratives Beschäftigungsfeld für das Elektrohandwerk entsteht.

Akzeptanzbarrieren abbauen

Doch bevor barrierefreie Lebensräume enstehen, müssen zunächst Barrieren im Kopf der Menschen beseitigt werden. Allein die Begrifflichkeit ruft gerade bei älteren Menschen Ablehnung hervor. Fremdwörter wie ‚Ambient Assisted Living‘ oder ‚Smart Home‘ wirken auf viele ältere Menschen eher abschreckend. Begriffe wie Sensorik oder Aktorik vermitteln die Notwendigkeit Neues zu erlernen und lösen auch keine Begeisterung aus. Wenn die Akzeptanz bei der (älteren) Bevölkerung wachsen soll, muss an diesem Punkt angesetzt werden. Es bedarf einer akzeptierten, einfachen und einheitlichen Definition von ‚Ambient Assistet Living‘. Andernfalls wird es sehr schwer, den Menschen dieses vielschichtige Thema näherzubringen oder sogar ’schmackhaft‘ zu machen. Ein weiterer bedeutender Faktor für die Akzeptanz von AAL-Systemen sind die Kosten. Nicht zuletzt spielt die Sicherheit (Datenschutz) eine wichtige Rolle für den Erfolg. Nach der Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird sich der Anteil von Haushalten mit Bezugspersonen, die älter als 75 Jahre sind, bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Es ist also Eile geboten: Ansonsten bleiben barrierefreie Lebensräume nur Lebensträume!

Viel Spaß beim Lesen

Ihr Henning Schulz

hschulz@gebaeudedigital.de

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