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Mit Wago nach Maß und Plan modernisieren

Grüne Wende im Blu Hotel

Die Radisson Hotel Group unterzieht ihre Häuser in Deutschland einem umfangreichen Umbau- und Modernisierungsprogramm. In Köln sind die Arbeiten abgeschlossen: Weniger Energieverbrauch und mehr Komfort für die Gäste sind das Resultat. Denn eine offene Gebäudeautomatisierung ermöglicht im Blu Hotel jetzt ein kontrollierteres, besser aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Heizung, Lüftung, Sonnenschutz und Beleuchtung.

 (Bild: Radisson Blu Hotel, Köln, Thorsten Sienk)

(Bild: Radisson Blu Hotel, Köln, Thorsten Sienk)

Veraltete Gebäudetechnik, bauliche Restriktionen – die Modernisierung von Bestandsgebäuden verlangt von Planern viel Flexibilität und Improvisationsvermögen. Das Projekt Radisson Blu Hotel in Köln steht hierfür als gutes Beispiel: Zwar wurde das Mitte der 1990er-Jahre errichtete Gebäude von Anfang an als Hotel geplant, dennoch „ist selbst die beste Technik trotz bester Pflege irgendwann am Ende“, meint Detlef Brunke, geschäftsführender Gesellschafter von DBU Planungs- und Projektmanagement. Die Gebäudetechnik des Radisson Blu wurde deshalb einer grundlegenden Frischzellenkur unterzogen – und das während des laufenden Betriebs innerhalb des Budgets und Zeitplans. „Wir wollten etwas Innovatives und eine für den Investor, die Firma Pandox, nachhaltige und kostenoptimierte Lösung realisieren statt alte Technik einfach nur durch neue zu ersetzen“, blickt Brunke auf den Anfang der Planung zurück. Ein grundsätzliches Modernisierungsziel bestand darin, die Gebäudeleittechnik (GLT) zu ersetzen und die Hotelzimmer auf die neue GLT aufzuschalten. „Wir hatten ursprünglich vorgesehen, mit Wago Controllern ein neues Netzwerk aufzubauen“, erklärt Ingo Andrä, Projektleiter MSR-Technik und Gebäudeautomation bei Kynast Elektronanlagen. Das Unternehmen bekam den Auftrag, die von der Firma DBU konzipierte Gebäudeautomation umzusetzen. Ein wesentliches Problem dabei: Für ein verteiltes I/O-System stand kein Ethernet zur Verfügung. Ein TCP/IP-Netzwerk ließ sich aus Brandschutzgründen nicht nachrüsten. Die Ethernet-Verkabelung hätte nur über die Flure verlegt werden können, und dann auch nur in speziellen Brandschutzkanälen. „Das ließ sich hier aber nicht realisieren“, blickt Ingo Andrä zurück.

Ressourcenschutz als Hauptziel der Gebäudeautomation

Damit die 365 Zimmer auch ohne zentrale GLT ‚lebensfähig‘ sind, kommt der BACnet MS/TP Controller des Typs 750-829 zum Einsatz. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Als einzige Verbindung zur übergeordneten GLT stand lediglich die Zwei-Draht-Leitung des ursprünglich installierten LON-Netzwerks zur Verfügung. „Die konnten wir für BACnet TP verwenden“, erklärt Steffen Poranski, MSR-Programmierer bei Kynast. Auch wenn sich alle Projektbeteiligten generell ein stärkeres Bussystem gewünscht hätten, „geben uns die zwei Drähte immer noch ausreichend Freiheit für einen großen Schritt in die zukunftssichere Gebäudeautomation.“ Diese hat im Radisson Blu vor allem die Aufgabe, die Energieeffizienz und den Wohnkomfort zu steigern. Und das bedeutet hier konkret, die Heizung, Lüftung, Jalousie und Beleuchtung in den Hotelzimmern besser zu steuern und das Hotel so insgesamt effizienter und ressourcenschonender zu betreiben. „Dank der neuen Steuerungstechnik können wir innerhalb der Unternehmensgruppe sehen, welche Häuser am besten energetisch wirtschaften, wie viel Wasser und Primärenergie dabei verbraucht wird und wie es um den Sonnenschutz bestellt ist“, führt Marcus Moll exemplarisch an. Zudem sorgt eine Präsenzmeldung dafür, dass Zimmer energetisch optimiert heruntergefahren werden, wenn sich kein Gast darin aufhält. Hierbei wird über die zentrale GLT die Grundtemperatur gehalten und die Lüftung reduziert. Durch Verknüpfung der GLT mit dem Hotelbuchungssystem kann wiederum der Empfangsbereich wesentliche Statusinformationen eines Zimmers einsehen. Steckt z.B. die Schlüsselkarte nicht im Kartenschalter, funktioniert das Licht nicht. Ruft in diesem Fall z.B. der Gast bei der Rezeption an, weil er den Kartenschalter nicht bemerkt hat, kann der Mitarbeiter in seinem System sehen, dass der Schalter auf rot steht. „Wir können unseren Gästen damit schnell helfen und müssen nicht jedes Mal durch das ganze Haus laufen“, freut sich Marcus Moll, technischer Leiter im Radisson Blu Hotel Köln.

Viel Licht, wenig Energieverbrauch – das sind die beiden wesentlichen Eigenschaften des modernisierten Radisson Blu Hotels in Köln. (Bild: Radisson Blu Hotel, Köln)

Mit Wago nach Maß und Plan modernisieren

Damit die 365 Zimmer auch ohne zentrale GLT ‚lebensfähig‘ sind, kommt in jedem einzelnen ein Wago BACnet MS/TP Controller des Typs 750-829 zum Einsatz. Er ist so konfiguriert, dass er seinen Raum ohne zentrales Netzwerk autark steuern kann und dem Gast dabei definierte Einstellmöglichkeiten bietet. Die Ein- und Ausgabekarten sind dem BACnet-Bus zugeordnet und lassen sich deshalb direkt ansprechen. Diese Eigenständigkeit trug entscheidend dazu bei, die Modernisierung der Hotelzimmer sukzessive vornehmen zu können – mit Rücksicht auf die Buchungsauslastung des Radisson Blu. Zudem verlief der Umbau ohne Rückkopplungen auf das alte Netzwerk, das bis zum Abschluss der kompletten Modernisierung in Betrieb blieb. „Wir haben die Busverbindung BACnet MS/TP erst dann am Controller gesteckt, als alle Zimmer an einem Kommunikationsstrang umgebaut waren. Das sind pro Linie bis zu 55 Zimmer“, erklärt Projektleiter Ingo Andrä. Für die neue Anbindung an die modernisierte GLT ersetzte Kynast die vorhandenen LON-Gateways durch zwei MS/TP Router pro Etage. Eingebaut wurde der BACnet Controller im vorhandenen Schaltschrank der ursprünglichen Installation. Dieser ist noch heute hinter einer Schrankwand platziert, was zu Arbeiten auf engstem Raum führte. Die Umrüstung auf die moderne Wago-Technik war pro Zimmer aber dennoch in gut zwei Stunden erledigt, da das ‚Umbaukit‘ einbaufertig aufs Zimmer kam. Insgesamt stand für die Modernisierung der Raumautomation ein halbes Jahr zur Verfügung – und dies unter voller Berücksichtigung von Großveranstaltungen und Messen, bei denen alle Zimmer in der Vermietung blieben.

Bei der Modernisierung gut an einem Strang gezogen: Detlef Brunke von DBU Planungs- und Projektmanagement, Marcus Moll vom Radisson Blu Hotel Köln sowie Ingo Andrä und Steffen Poranski von Kynast Elektroanlagen. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Offene Automatisierung mit klaren Vorteilen

Neben der Einzelraumbetrachtung gab es noch eine weitere Modernisierungsebene im Radisson Blu: eine zweite DDC-Ebene, für die ebenfalls Wago- Controller eingesetzt werden. Die BACnet-Version des PFC200 stellt hier unabhängig von der zentralen GLT die Visualisierung der Zimmer zur Verfügung und bietet zudem einen schnellen Zugriff der Haustechnik auf die einzelnen Raumcontroller. Die von Wago in den PFC200 integrierte Visualisierung basiert auf HTML5 und lässt sich auf jedem Browser öffnen. „Wir haben aufgrund der schlechten Erfahrungen mit proprietären Systemen in Köln ganz bewusst zu einer offenen Industrielösung gegriffen“, begründet Detlef Brunke die Entscheidung aller Projektpartner, die Modernisierung vorwiegend mit Wago- Controllern zu realisieren. Aufgrund des hohen Standardisierungsgrades können sich Hotelbetreiber und Gebäudeeigentümer gleichermaßen sicher sein, auch nach Jahren noch Ersatzteile, Erweiterungsbaugruppen und vor allem technischen Support zu erhalten. Die Modernisierung des Radisson Blu Hotel in Köln zeigt, wie sich eine leistungsstarke Gebäudeautomation selbst dann noch nachrüsten lässt, wenn die baulichen Restriktionen gerade in puncto Kommunikation zu gravierenden Einschränkungen führen. Die Wago-Controller bilden hier die Plattform, um maximale Intelligenz vor Ort zu bringen. Damit reduziert sich die Datenmenge auf dem in seiner Bandbreite stark eingeschränkten ehemaligen LON-Bus. Der modulare Aufbau der Wago-Controller eröffnet zudem weitreichende Möglichkeiten, neue Funktionen in die Raumautomation zu bringen.

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