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Raum für Technik

Leerrohre einplanen!

Wer an zeitgemäße Kommunikationstechnik und Digitalisierung denkt, dem fallen zunächst meist PC, Tablet und Smartphone ein; das Leben scheint kabellos und funkgesteuert zu sein. Wer allerdings verantwortlich in Bauprozesse eingebunden ist, sollte stets dafür sorgen, dass die entsprechenden Volumen für jene Infrastruktur vorhanden sind, welche die Bedienung der Endgeräte erst möglich macht.

 (Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG)

(Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG)

Bekanntlich haben die Bauschaffenden schon immer mal ein wenig neidisch auf die Industrie geschielt, und sich gewünscht, Abläufe ähnlich rationalisiert und getaktet organisieren zu können, um Kosten zu sparen und mehr Prozesssicherheit zu erlangen. Und es gab auch schon immer den anerkennenden Blick in die Gegenrichtung, nämlich dann, wenn ein Gebäude gut geplant und ästhetisch in seine Umgebung eingefügt worden ist. Gute Ergebnisse werden mit Blick auf den interdisziplinären Austausch stets dann erzielt, wenn man vom anderen lernen kann, ohne die eigene Identität infrage zu stellen. Gerade die Automobilindustrie weckte stets das Interesse von Architekten und Planern, und sie ist es auch, die ein schönes Beispiel zum Thema liefert. Bestellte man seinerzeit ein neues Auto, gab es hinsichtlich der Unterhaltungselektronik drei Optionen: mit Radio, ohne Radio und mit Radiovorbereitung. Um es vorweg zu nehmen, die dritte Möglichkeit war in der Regel die beste. Bei der ersten war man üblicherweise an eine kleine Auswahl gebunden und erhielt dann ein meist überteuertes Gerät aus der unteren Mittelklasse. Ein Auto ohne Radio war nicht nur langweilig, es ließ sich auch schlecht wieder verkaufen, denn die meisten Fahrer wünschten sich ein Radio, scheuten aber die nachträglich hohen Anschaffungs- und Einbaukosten. Bei der dritten Variante hatte der Kunde alle Optionen. Er konnte das Endgerät nach Budget und Gusto auswählen, ebenso die Lautsprecher, und er konnte alles wieder problemlos austauschen, sollte sich Besseres auf dem Markt finden lassen. Das Beispiel zeigt, dass es nicht um das Radio geht, sondern um die Optionen. Und es zeigt, dass Flexibilität, welche durch eine einmal errichtete Infrastruktur erreicht wird, nicht nur eine Qualität an sich darstellt, sondern außerdem die Kosten aller folgenden Veränderungen deutlich zu senken in der Lage ist.

Flexibilität durch Volumen

Leider wird auf großen wie auf kleinen Baustellen zu häufig vergessen, dass sich die haustechnisch interessanten Dinge oftmals ‚zwischen Baum und Borke‘, also in nicht sichtbaren, verdeckten Bereichen abspielen. Und es wird zu selten bedacht, dass Gebäude sowohl vertikal als auch horizontal erschlossen werden müssen. Das heißt, jede Art von Erschließung muss in die Höhe, also von Etage zu Etage, möglich sein, genau wie in die Breite, also von Wohnung zu Wohnung, bzw. von Raum zu Raum. Und es gibt bereits heute einiges an Haustechnik, die solcherart zu verteilen ist. Frischwasser, (kalt und warm), Abwasser, Heizungsmedien (wassergestützt oder elektrisch, punktuell oder flächig), mechanische Wohnraumlüftung, Strom, Gas, Datenleitungen, Antennenkabel usw. müssen nicht nur einmalig verlegt werden, sie sollten möglichst auch zu Revisionszwecken und zum erforderlichen Austausch zugänglich und leicht erreichbar sein. Das Zauberwort an dieser Stelle heißt Volumen. Es ist eine fundamentale Planungsaufgabe, die entsprechenden Volumen für Rohr- und Leitungsführungen vorzusehen, und möglichst auch mit einem gesunden Zuschlag auszurüsten, um für das gewappnet zu sein, was in Zukunft noch an Installationstechnik auf das Gebäude zukommt. Es ist Investoren, Bauherren und Betreibern klarzumachen, dass die pure Nutzflächenmaximierung auf Dauer recht teuer werden kann, nämlich dann, wenn aufwendige technische Nachrüstungen anstehen, womöglich im vermieteten oder selbst genutzten Bestand. Volumen einzuplanen und vorzuhalten ist also eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Dabei ist von allen Seiten darauf zu achten, die Planung möglichst interdisziplinär anzulegen. Es ist auf notwendig strikte Trennungen von Leitungen genauso zu achten, wie auf Synergiepotential; möglicherweise muss ja nicht jedes Gewerk für sich das Rad neu erfinden. Gleichzeitig sind natürlich außerdem alle Belange des baulichen Brandschutzes sowie des Wärme- und Schallschutzes zu berücksichtigen. Ein kleines Plus an Planung in diesem Bereich hat sich noch immer ausgezahlt und oftmals kostspieliges Nacharbeiten verhindert.

 (Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG)

(Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG)

Digitale Erschließung

Ein in diesem Zusammenhang häufig gemachter Fehler bezieht sich auf die digitale Erschließung. Hier hat sich in Zeiten des WLAN eine gewisse planerische Entspanntheit etabliert, die möglicherweise überprüft werden muss, denn es ist auch im Wohnbereich nicht mehr damit getan, einen Router zu installieren und den Rest kabellos, also planungsfrei, stattfinden zu lassen. Die exponentiell wachsenden Datenmengen, welche im beruflichen wie im privaten Bereich zu beobachten sind, verlangen nach einer neuen globalen Infrastruktur. Die EU hat mit ihrer Richtlinie 2014/61/EU ‚Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen für die elektronische Kommunikation‘ auf diese Herausforderung reagiert. Eine ihrer Kernaussagen lautet: „Eine hochwertige digitale Infrastruktur ist die Grundlage für fast alle Wirtschaftszweige einer modernen und innovativen Volkswirtschaft“, und Artikel 8, ‚Gebäudeinterne physische Infrastrukturen‘ legt fest:

  • • (1): „Die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass alle am Standort des Endnutzers errichteten Neubauten (?) für die nach dem 31. Dezember 2016 eine Baugenehmigung beantragt worden ist, mit hochgeschwindigkeitsfähigen gebäudeinternen physischen Infrastrukturen bis zu den Netzabschlusspunkten ausgestattet werden.“
  • • Und unter (2) heißt es: „Die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass alle neu errichteten Mehrfamilienhäuser, für die nach dem 31. Dezember 2016 Baugenehmigungen beantragt worden sind, mit einem Zugangspunkt ausgestattet werden. Dieselbe Verpflichtung gilt für umfangreiche Renovierungen von Mehrfamilienhäusern, für die nach dem 31. Dezember 2016 Baugenehmigungen beantragt worden sind.“
Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

Bild: Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

Die Umsetzung dieser Richtlinie in deutsches Recht hat in Form des ‚Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze‘ (DigiNetz-Gesetz) stattgefunden. Der Breitbandausbau läuft also und wird nach und nach alle Gebäude erreichen. Doch was geschieht mit der Verteilung der riesigen Datenmengen im Gebäude? Um ein gewisses Maß an Zukunftssicherheit zu erlangen fordern Experten, auch hier eine bauliche Infrastruktur vorzuhalten, welche in der Lage ist, auf möglichst viele denkbare Entwicklungen zu reagieren. Und besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zusammenhang kabelgebundene Erschließungen, denn hochleistungsfähige WLAN-Signale erweisen sich als störanfälliger und in ihrer Reichweite beschränkter als die derzeit vorhandenen. Geht man für die Zukunft berechtigterweise von einer Zunahme digitaler Dienste aus, und berücksichtigt man, dass deren Datenkomplexität weiter stark wachsen wird, werden künftig mehrere, dezentrale WLAN-Punkte, statt einer zentralen Anlage notwendig sein. Alle diese Punkte müssen zuverlässig mit riesigen Datenmengen versorgt werden, was für eine rohrgebundene Erschließung spricht. Auch diese ist im Prinzip leicht und kostengünstig herzustellen, sie muss nur rechtzeitig bedacht und geplant werden, im Neubau wie bei der Renovierung im Bestand. Marc Kessler vom Breko Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. empfiehlt ganz grundsätzlich, „Leerrohre sind Gold wert, sie sollten auf jeden Fall immer verlegt werden!“ Schließlich wäre es wenig zielführend, Gebäude an das Glasfasernetz anzuschließen, um dann festzustellen, dass sich die Verteilung der Daten im Haus als problematisch erweist, weil die notwendige bauliche Infrastruktur nicht bedacht wurde.

Resümee

Ob Klimatechnik oder Elektroinstallation, verantwortliche Planung sieht für sämtliche bekannte und künftig zu erwartende Erschließungsnotwendigkeiten in Gebäuden entsprechende Volumen vor, welche die Revision wie die Substitution ermöglichen und erleichtern. Gerade im Bereich des Datentransportes, wo diese Maxime natürlich ebenfalls gilt, wird aufgrund der enorm wachsenden Datenmengen künftig die kabelgebundene, Erschließung zunehmend eine Rolle spielen. Das sollte bei der Planung ab sofort bedacht werden.

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