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Zeitgemäße Verkabelungsstrukturen für RZ

Digitale Transformation fordert zeitgemäße
Verkabelungsstrukturen

Die aktuellen IT-Entwicklungen stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Big Data, mobile Anwendungen und flexiblere Arbeitsumgebungen rücken die Leistungen des Rechenzentrums zunehmend in den Vordergrund. Hier ist auch die Netzwerkinfrastruktur gefordert. Im Bereich der Verkabelung müssen mehr denn je leistungsstarke und flexible Lösungen bereitgestellt werden, die ausreichend Bandbreite bieten und sich modular an künftige Anforderungen anpassen lassen.

Die Planung, Installation und Abnahme der IT-Verkabelung von Rechenzentren ist in der Normenreihe DIN EN50174 beschrieben. Wesentliche Inhalte sind zum Beispiel der Qualitätsplan, die Erdung und Schirmung von Kupfer-IT-Verkabelung und die Dokumentation und Abnahme der gesamten Rechenzentrums IT-Verkabelung.

Rechenzentren sind die Schaltzentralen von Unternehmen und Organisationen. Immer komplexere Architekturen und Betriebsabläufe sowie eine Vielzahl von unterschiedlichen Anwendungen sind eine Herausforderung für die Netzwerk-Infrastruktur. Dazu kommt der Wunsch nach Hochverfügbarkeit und Flexibilität. Die individuelle Planung und ein weitgehend automatisches Kabel-Management spielen daher eine wichtige Rolle. Aufgrund der digitalen Transformation gewinnt die Verkabelung in allen Organisationen immer mehr an Bedeutung.

(Bild: Rosenberger-OSI GmbH & Co. OHG)

Risiken werden unterschätzt

Trotz der hohen Bedeutung, die der Verkabelung mit Blick auf die Netzwerkleistung zukommt, sind die Investitionen in diesem Bereich immer noch vergleichsweise gering. Sie liegen erfahrungsgemäß bei lediglich zwei bis vier Prozent der Gesamtinvestitionen für Rechenzentrumsprojekte. Dabei belegen Studien, dass rund 50 Prozent aller Ausfälle im Rechenzentrum auf die unzureichende Qualität der Verbindungstechnik zurückzuführen ist. Hochverfügbarkeit, Flexibilität, Administration, Dokumentation und Sicherheit stehen in modernen Rechenzentren auf der Anforderungsliste an oberster Stelle. Hinzu kommen Kostengesichtspunkte, die Planer im Auge behalten müssen. Dazu gehört der Investitionsschutz ebenso, wie die Zukunftssicherheit der Komponenten.

Klare Strukturen sind essenziell

Rechenzentren haben die Aufgabe, den durchgängigen Betrieb von IT-Anwendungen auf Mainframes und Servern sowie die Datenhaltung und Sicherung auf Speichersystemen sicherzustellen. Der möglichst unterbrechungsfreie Betrieb unternehmenskritischer IT-Anwendungen ist von großer Bedeutung. Rechenzentren müssen aber auch den Zugang zu öffentlichen Kommunikationsnetzen, zu Cloud-Providern und nicht zuletzt zum Internet sicherstellen. Ohne funktionierende IT-Verkabelung sind keine IT-Anwendungen verfügbar. Die fatale Folge wäre, dass Geräte wie Server, Switches und Speicher nicht mehr miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Die Verarbeitung, Bereitstellung und Sicherung der Informationen wäre ebenfalls nicht möglich.

Gewachsene Strukturen schwächeln

IT-Verantwortliche sehen sich heute allerdings damit konfrontiert, dass die IT-Verkabelungen vielfach an ihre Grenzen stoßen. Historisch gewachsen, können vorhandene Infrastrukturen heutige Anforderungen wie hohe Kanaldichten, hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und den unterbrechungsfreien Hardware-Austausch nur schwer oder gar nicht mehr erfüllen. Die Strukturierung von IT-Verkabelungen sowie deren sorgfältige und vorausschauende Planung und Dokumentation sind daher grundlegende Aufgaben eines Rechenzentrumsbetreibers. Auch gesetzliche Grundlagen wie Basel II oder SOX fordern eine durchgehend stringente Transparenz. Für die Rechenzentrums-IT-Verkabelung gelten die Normen DIN EN50600-2-4 (mit Referenz auf DIN EN50173-5), ISO/IEC24764 und für den US-amerikanischen Bereich TIA-942 (Tier-Klassifizierung). Diese Normen sind entstanden, um die Forderung nach der Festschreibung einer strukturierten, anwendungsneutralen IT-Verkabelung auf der Basis einheitlicher Standards zu erfüllen. Daraus resultieren auch die Empfehlungen, eine moderne IT-Verkabelung redundant auszulegen, um die Betriebssicherheit eines Rechenzentrums auf hohem Niveau sicherzustellen.

Qualität zahlt sich aus

Bereits bei der Planung sollte der Qualitätsgedanke bei der Auswahl der Komponenten im Vordergrund stehen. Dies ist notwendig, um Leistungsanforderungen wie Kabeldesign, Bandbreiten und Dämpfungsbudget zu genügen. Die IT-Verkabelungskomponenten sollten sowohl bei LWL als auch bei Kupfer vorzugsweise werkskonfektionierte, betriebsfertige Systeme für sogenannte Plug&Play-Installationen sein. Diese Systeme bieten die höchstmögliche und reproduzierbare Qualität und besitzen daher die besten Übertragungseigenschaften. Bei der Planung ist zudem zu beachten, dass es sich bei Rechenzentren nicht um starre Gebilde handelt. Vielmehr sind es ‚lebende‘ Schaltzentralen, die sich individuell an die Geschäftsprozesse und die wechselnden Anforderungen der Unternehmen anpassen müssen. Um nicht mit jedem neuen Gerät aufwendige Änderungen durchführen zu müssen, empfiehlt es sich auf eine übersichtliche und transparente IT-Verkabelung zu setzen, die vom aktuellen ‚Gerätepark‘ entkoppelt wird. Auf diese Weise entsteht eine physische, also anwendungsneutrale IT-Verkabelungsinfrastruktur, die letztendlich wesentlich mehr Spielraum bietet.

Gerätetausch leichtgemacht

In den Normen DIN EN50600-2-4 , DIN EN50173-5 und ISO/ IEC24764 ist diese Geräteverkabelung in die Segmente Bereichs- und Geräteanschlussverkabelung mit der zugehörigen GA (Geräteanschluss) genannten Schnittstelle aufgeteilt. Die aktiven Geräte sind durch möglichst kurze, gerätespezifische Anschlusskabel über die GA-Schnittstelle an die dadurch ‚geräteneutrale‘ Bereichsverkabelung angebunden. Damit muss beim Gerätetausch, der zudem möglicherweise mit dem Wechsel des Steckgesichtes am Gerät verbunden sein kann, nur das anschlussspezifische Kabel ausgetauscht werden. Meist ist es nicht notwendig, dafür in die Bereichsverkabelung einzugreifen. Ein Gerätetausch und die damit verbundene Umverkabelung sind dadurch weniger zeit- und kostenintensiv. Die vorhandenen Strukturen bleiben vollständig erhalten. Um die Packungsdichteanforderungen zu erfüllen, sollten für die GA-Schnittstellen der jeweiligen anzuschließenden Geräte geeignete Stecksysteme ausgewählt werden. Die gennanten Normen benennen entsprechende Stecksysteme, beispielsweise den LC-DupIex- und den MTP-Steckverbinder.

Rechenzentren im Verbund

Für die Verbindung von Rechenzentren untereinander, zum Beispiel bei redundanten Rechenzentren, Backup-Rechenzentren, oder auch nur bei der einfachen Auslagerung und Sicherung von Daten an einen anderen Standort, ist die Anbindung an MAN- und WAN-Providernetzwerke (Datentransportdienste oder sogenannte ‚Dark Fibers‘) oder eigene LWL-Kabelstrecken von immenser Wichtigkeit für die Betriebssicherheit und Verfügbarkeit. Daher ist diese Anbindung wie die rechenzentrumsinterne IT-VerkabeIung nach dem Zweiwegeprinzip auszulegen. Für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb von LWL-Verkabelung im Rechenzentrum, ganz besonders bei deren Installation und bei Patcharbeiten, müssen die eingesetzten Techniker auf die Spezifika der Systeme geschult sein. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei speziell auf den LWL-Steckverbinderstirnflächen liegen. Aufgrund ihres Aufbaus reagieren diese besonders empfindlich auf Verschmutzungen und Beschädigung. Schon unter dem Aspekt der Sicherheit ist es bei der Planung einer Neuverkabelung ratsam, werkskonfektionierte IT-Verkabelungssysteme in den Anforderungskatalog aufzunehmen. Das reduziert nicht zuletzt auch den Zeitaufwand bei der Installation. Ein weiterer Vorteil solcher Komponenten ist die einfache Skalierbarkeit, wenn die Rechenzentrumskapazität erweitert werden muss. Werkskonfektionierte Verkabelungskomponenten ermöglichen es, zusätzliche Geräte schnellstmöglich in vorhandene Strukturen zu integrieren. Ein wesentlicher Faktor für eine hohe Performance des Netzes ist das sorgfältige Auflegen der Steckverbinder. Alle Arten von Verschmutzungen müssen hierbei vermieden werden, weshalb die Steckerstirnflächen vor der Installation mit geeigneten Reinigungswerkzeugen gesäubert und anschließend mikroskopisch begutachtet werden sollten. Fehlende Sorgfalt geht hier zulasten der Performance. Als Neuerung bietet der Markt Systeme, die eine Verschmutzung während der Installation gänzlich ausschließen und somit einen zusätzlichen Beitrag zu Sicherheit und Performance der Glasfasernetze leistet.

Dokumentation vereinfacht Abläufe

Eine stets aktuelle Dokumentation der Verkabelungsinfrastruktur ist für reibungslose Abläufe in einem hochverfügbaren Rechenzentrum essenziell. Änderungen müssen deshalb zeitnah und korrekt protokolliert werden. Ein weiterer Punkt auf der Liste sind die Lichtverhältnisse im Rechenzentrum, die nicht immer optimal sind und eine genaue Identifikation von Komponenten und deren Bezeichnung erschweren. Gerade die Beschriftung der Kabel sollte auch unter eingeschränkten Lichtverhältnissen einfach zu lesen sein, um die Arbeit der Administratoren zu erleichtern. Werkseitig vorkonfektionierte, qualitativ hochwertige Verkabelungskomponenten optimieren nicht nur die Performance im Rechenzentrum. Vielmehr leisten sie auch einen Beitrag zu verringerten Wartungs- und Umrüstzeiten und tragen somit zur Reduzierung der laufenden Betriebskosten bei.


Autorin | Petra Adamik, freie Autorin aus München, www.rosenberger.com/osi

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