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Was kommt nach der Analogabschaltung?

Das analoge Satellitenfernsehen ist seit dem 30. April 2012 Geschichte. Die Analogabschaltung wirkte für Hersteller, Handel und Handwerk wie ein Konjunkturprogramm. Dies lässt sich an den deutlich gestiegenen Umsätzen der Branche abzählen. Doch was kommt nach der Abschaltung? Gibt es für Handel und Fachhandwerk nichts mehr zu tun? Dieser wichtigen Frage ging ein interessantes Innovationsforum des Unternehmens Wisi auf der Light+Building 2012 im April nach. Wisi-Schulungsleiter Norbert Bohn zeigte auf, was noch zu tun sein könnte und wohin die Reise beim TV-Empfang in den kommenden Jahren geht.
Noch ist nicht deutlich, wie viele Bildschirme am 1. Mai 2012 tatsächlich schwarz blieben. Angesichts der schon von vielen Experten in den Monaten vor dem Abschalttermin genannten Zahlen dürfte sich die Umstellung noch einige Monate hinziehen. Doch was kommt danach? Fallen Hersteller, Handel und Handwerk in ein Loch? „Haben wir das Ende der Arbeit, endlich Freizeit“, wie es launig Wisi-Schulungsleiter Norbert Bohn formulierte. So einfach ist es tatsächlich nicht. Hinter jedem Ende steht ein Anfang. Dabei gibt es zwei ganz wesentliche Trends, die das TV der Zukunft bestimmen: das hochauflösende Fernsehen HDTV und das Verschmelzen des klassischen Fernsehens mit dem Internet, das auch mit den Begriffen HbbTV oder Smart TV beschrieben wird.

Siegeszug HDTV

HDTV startet in Deutschland weiter durch. Nach anfänglich nur vier Programmen im Jahr 2009 sind es aktuell schon fast 50 HD-Sender, die sich über Satellit empfangen lassen. Den Abschalttermin am 30. April 2012 und die damit frei werdenden Satelliten-Kapazitäten nutzten ARD und ZDF für weitere Programmaufschaltungen. So lassen sich in deutschen Haushalten inzwischen neben ARD, ZDF und ARTE zusätzlich zehn Dritte Programme und Spartenkanäle in HDTV frei empfangen. Einige Kabelnetzbetreiber speisen die neuen HD-Programme bereits in ihre Netze ein, andere werden folgen. Darüber hinaus bauen auch die privaten großen Sendergruppen sowie kleinere Spartensender ihre HD-Angebote aus. Mit dem Boom bei den Sendern steigt der Absatz an HDTV-Geräten. Gingen im vergangenen Jahr bereits 9,7Mio. Stück über den Ladentisch, erwarten Marktforscher für das Jahr 2012 vor dem Hintergrund der Fußball Europameisterschaften und Olympischen Sommerspiele schon über 10Mio. Geräte.

Smart TV oder HbbTV

Der zweite große TV-Trend der nächsten Jahre ist das Verschmelzen von TV und Internet, auch HbbTV (Hybrid broadcast and broadband TV) oder Smart TV genannt. Mehr als jeder dritte verkaufte Flachbildfernseher ist inzwischen mit Internet-Funktionen ausgestattet. Insgesamt wurden in Deutschland schon rund fünf Mio. dieser Smart TV-Geräte (mit integriertem HbbTV-Empfänger) verkauft. Gerade für neue Fernseher mit großen Bildschirmformaten, die von Zuschauern immer stärker nachgefragt sind, gehört der Internet-Ausstattung fast schon zum Standard. So können 48% aller 42″-Geräte (Schirmdiagonale: 107cm) Kontakt mit dem Internet aufnehmen; bei den Modellen über 46″ (117cm) beträgt der Internet-Anteil schon 75%, und Geräte mit Bildschirmen über 50″ (127cm) sind sogar schon zu 90% internetfähig.

Nachrüstung möglich

Und es gibt Möglichkeiten, Flachbildfernseher ohne integrierte Internetfunktionen auf- oder nachzurüsten. Mit dem neuen auf der Light+Building erstmals vorgestellten Multifunktionsreceiver HbbTV Wisi OR 188 kann der Zuschauer TV und Internet auf seinem Flachbildschirm miteinander verbinden. Dies ermöglichen die drei eingebauten Tuner für die Empfangswege Satellit, Kabel und terrestrischer Antenne sowie ein integrierter Internetbrowser, der das Internet auf den Bildschirm des TV-Geräts bringt. Mit dem neuen Multifunktionsreceiver lassen sich zum Beispiel u.a. Youtube, die vielen neuen TV-Angebote im Internet sowie die Mediatheken von ARD, ZDF und privater Sender nutzen. Der neue OR 188 kommt im Frühsommer in den Handel.

Aufrüstung der Kopfstellen und Gemeinschaftsanlagen

Diese Revolution und die beginnende neue Medienwelt im Wohnzimmer bringen Handel und Handwerk in den kommenden Jahren erhebliche Umsatzpotentiale, so der Wisi-Experte. Denn mit der steigenden Zahl der HDTV-Sender, HbbTV-Angebote und internetfähigen TV-Geräte müssen auch die bestehenden Gemeinschaftsempfangsanlagen und Kopfstellen mit digitaler Versorgung deutlich erweitert und ergänzt werden. So dürfte die Nachfrage nach zusätzlichen Modulen für die Aufbereitung von HD-Satellitensignalen (DVB-S2) in DVB-C sehr rasch überproportional zunehmen. Auch die vor allem von der Wohnungswirtschaft und Hotels praktizierte Re-Analogisierung digital empfangener TV-Programme dürfte in Zukunft irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Früher oder später steht hier eine Aufrüstung der schon bestehenden Aufbereitungen mit DVB-S2-Angeboten in DVB-C oder DVB-T sowie die Anschaffung neuer Endgeräte an.

Verkabelung

Um die Vorteile von Smart TV-Geräten oder mit HbbTV-fähigen Receivern aufgerüsteten Flachbildfernsehern voll nutzen zu können, ist in der Regel eine neue Verkabelung nötig. So sollte der Fachmann zukünftig daran denken, neben der Antennenleitung für die via Satellit, Kabel oder terrestrischer Antenne empfangenen Signale auch eine Datenleitung vom Internetzugang zum HbbTV Receiver oder Smart TV-Gerät parallel zu verlegen, wenn der Internetzugang nicht über W-LAN erfolgt.

Innovative Systeme

Für das Einspeisen verschlüsselter und unverschlüsselter digitaler Angebote in Gemeinschaftsanlagen und zur Ergänzung vorhandener Aufbereitungen hält Wisi das kompakte und sehr flexible Kopfstellensystem OH bereit. Einen Schritt weiter geht das auf der Light+Building vorgestellte anpassungsfähige Wisi-Kopfstellensystem Chameleon für Gemeinschaftsempfangsanlagen und Kabelnetze. Es bietet dem Anwender universelle Einsatzmöglichkeiten und absolute Investitionssicherheit. So sind die Chameleon-Module sehr flexibel über eine Software nach Wunsch konfigurierbar. Möchte der Betreiber z.B. seine Anlage vom Empfang von Satellitenprogrammen in Standard Digital später auf HD aufrüsten, muss er im Gegensatz zu herkömmlichen Kopfstellensystemen keine Module mehr austauschen, sondern nur die Software aktualisieren. Software-Bausteine von Chameleon sind u.a. digitale Receiver für die unterschiedlichen Signalwege Satellit, Kabel und Antenne, Transmodulatoren, Edge QAM, MPEG-4 Decoder, IP- und ASI-Streamer sowie Remultiplexer. Das Konzept ist zudem für den Handel sehr attraktiv, da die Lagerhaltung und damit verbundene Kosten für viele verschiedene Modulen eines Systems zukünftig entfallen und dieser mit den Basismodulen von Chameleon auskommt.

Fazit

Die Analogabschaltung schafft den Platz für eine vom hochauflösenden TV sowie dem Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet angetriebene neue Medienwelt. Zukünftig gefragt sind intelligente Kopfstellen- und Gemeinschaftsempfangssysteme sowie Verteilanlegen, die dem Endverbraucher helfen, diese neue Medienwelt zu nutzen. Die entsprechenden Endgeräte halten bereits millionenfach Einzug in die deutschen Wohnstuben und steigern den Appetit auf mehr. Handel und Handwerk müssen sich möglichst rasch darauf einstellen, wenn sie die sich bietenden neuen erheblichen Umsatzpotentiale für sich nutzen wollen.

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