Trends im Gebäude:
Energieeffizienz ist ein großes Thema

Die diesjährige Light+Building trat den lebhaften Beweis dafür an: Das Thema Energiesparen ist zurzeit in aller Munde. Bis 2020 will die Europäische Union das geschätzte Sparpotenzial der Gemeinschaft – immerhin stolze 20 Prozent – durch geeignete Maßnahmen ausschöpfen. Auch Moeller will sich verstärkt in diesem Bereich engagieren, wie Theo Kubat, CEO der Moeller Holding GmbH im Gespräch mit Gebäude Digital verriet.

Wie entwickelt sich der Gebäudeautomationsmarkt zur Zeit in Deutschland?

Kubat: Ich glaube – und das hat man auch bei unseren Mitbewerbern in Frankfurt auf der Light+Building gesehen, dass jetzt auch im Einfamilienhaus verstärkt auf automatisierte Lösungen gesetzt wird. Wir wollen für diesen Bereich in Zukunft ein wirklich abgerundetes Energiemanagment anbieten. Teile davon haben wir ja jetzt schon auf der Messe präsentiert, aber hier wird in Kürze noch einiges folgen.

Was wird da noch kommen, Sie haben ja eine Energiemanagement-Software und verschiedene Energiezähler auf der Light+Building präsentiert?

Kubat: Erstens müssen unsere Aktoren darauf hingetrimmt werden, dass wir nicht nur Funkschaltfunktionen sondern auch Zählfunktionen darstellen können. Und in Verbindung mit den Zählfunktionen arbeiten wir an einem Softwarepaket, mit dem man bei extremen Bedarfsspitzen Prioritäten setzen kann. Unsere zukünftige Philosophie des Energiemanagements sieht so aus, dass wir sagen: Wir wollen keine Spitzen, sondern immer eine vernünftige Konstanz haben. Sollten tatsächlich Spitzen auftreten, dann wird je nach vorgegebener Priorität das Licht in gewissen Räumen oder der Fernsehapparat abgedreht. Es gibt heute schon Ansätze in Norwegen, wo das EVU eine Vereinbarung mit den Abnehmern trifft, damit es direkt eingreifen und gewisse Aktivitäten im Haus abschalten kann. Wir wollen diese Entscheidung, wann und wie eingegriffen wird aber schon eher dem Endverbraucher überlassen.

Gibt es schon Kooperationen mit den EVUs, damit man beispielsweise über den Fernseher angezeigt bekommt, wann es billiger ist zu waschen oder ähnliches?

Kubat: Nein, das haben wir noch nicht, aber das wäre eine Zielsetzung. Unsere norwegische Gesellschaft ist was Home Automation und Energiemanagement anbelangt immer noch unser Vorreiter, aber in Österreich und in Deutschland haben wir so etwas mit den EVUs noch nicht besprochen.

Wie schaut das Haus der Zukunft Ihrer Meinung nach prinzipiell aus?

Kubat: Gut, das ist aber eher meine Lebensmeinung – also ich glaube es macht sicher Sinn, dass man verschiedene Dinge automatisiert, aber dass man es so weit treibt, dass der Mensch überhaupt nichts mehr denken oder machen braucht, würde ich nicht als Zielsetzung sehen.

Moeller versucht ja jetzt mehr in die Privathaushalte reinzugehen. Kommt das daher, weil das andere Potenzial eher ausgeschöpft ist?

Kubat: Wir kommen ja von der Installationstechnik und diese befindet sich in Westeuropa auf einem Level wo eher Stagnation herscht. In Osteuropa und im fernen Osten ist das noch ein Renner und da gibt es ein echtes Wachstum, aber in West- und Mitteleuropa nicht mehr. Also hielten wir nach einem Segment Ausschau, in dem wir auch hierzulande noch wachsen können. Unser Funksystem ist eine erschwingliche Lösung, mit dem wir dem normalen Häuslbauer zu mehr Sicherheit und Komfort verhelfen wollen. Bis jetzt oder in der Vergangenheit blieb ja die Gebäudeautomatisierung mehr oder weniger der Industrie oder öffentlichen Gebäuden vorbehalten. Wir wollen mit der Unterstützung des Großhandels und unserer Installateure vermehrt an den normalen Endverbraucher herantreten. Das ist ein Ziel, das wir sehr konsequent verfolgen, wie unter anderem unsere Breitenwerbung mit Toni Polster beweist.

Sie haben vor zwei Jahren auf der Light+Building angekündigt: „Moeller bricht ins digitale Zeitalter auf“. Was ist jetzt schon alles digital?

Kubat: Ich glaube, dass der FI der wesentlichste Part der Digitaltechnik ist, weil man nun schon am Ursprung erkennt, wann sich eine Störung anbahnt. Und das ist gerade in Industrieanlagen oder bei der Absicherung von Krankenhäusern ein wichtiges Thema. Und der wirklich entscheidende Durchbruch ist meiner Meinung nach, dass man nun auch auf das Handy signalisiert bekommt, wenn eine Überspannung oder ein Fehlerstrom gemessen wird. Das heißt man ist jetzt wieder einen technologischen Schritt weiter als mit dem Wiedereinschaltgerät: Nun erhalte ich die Information bevor etwas passiert und reagiere nicht erst danach.

Bei dem XComfort Produktprogramm gibt es ja permanent Familienzuwachs was ist da das Ziel bei den Themen Sicherheit, Energie und Komfort?

Kubat: Das Ziel aus meiner Sicht ist ganz eindeutig das Energiemanagement und natürlich erweitern wir kontinuierlich unser Sensorik-Portfolio im Sicherheitsbereich. Dass wir einmal den Kühlschrank so weit steuern, damit er die Milch von selbst nach bestellt, das machen wir nicht, in diese Sphäre werden wir nicht einsteigen, aber alles andere, was schalten, schützen und steuern anbelangt werden wir machen. Wichtig erscheint es uns für die Zukunft auf jeden Fall, die Aktoren, die momentan noch relativ groß sind, so klein zu gestalten, dass sie überall leicht anbringbar sind und wir im Endeffekt jeden Stromabgang mit so einem Aktor belegen können. Damit werden wir im Energiemanagement entscheidende Fortschritte machen, weil wir dann wirklich jeden Stromabgang messen können.

Wie weit können die Elektriker mit diesen Entwicklungen Schritt halten?

Kubat: Ich glaube, dass das eine Herausforderung für die Elektroinstallateure sein muss, um ihre Stagnation in der normalen Installation wieder abzuwenden. Es kann nur im Interesse jedes Elektrikers sein, wenn sein Spektrum noch dazu hin zur gleichen Klientel erweitert wird. Unserer Erfahrung nach liegt die Schmerzgrenze des normalen Häuslbauers bei rund 3500 Euro – so viel ist er bereit, in Gebäudeaut­omation zu investieren. Der Vorteil unseres Systems liegt darin, dass es modular aufgebaut ist. Das heißt man kann jederzeit erweitern, wenn man weitere Komfortwünsche hat.

Herr Kubat, jetzt noch eine ganz andere Frage: Wie lange bleiben Sie als CEO noch in Amt und Würden?

Kubat: Ich werde mich in der Mitte des Jahres aus dem operativen Bereich zurückziehen und bleibe dem Unternehmen dann im Aufsichtsratsgremium erhalten. Wer mein Nachfolger werden wird – dazu kann ich im Moment noch nichts sagen.

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