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Stromverbrauch am PC sichtbar

Wer weiß schon, wie viel Strom in seinem Haushalt täglich verbraucht wird? Oder wie viel der tägliche Spülgang pro Jahr kostet, welche die wahren Stromfresser sind und wie hoch der unnötige Verbrauch ist? Wahrscheinlich kaum jemand. Denn den Stromverbrauch exakt nachzuvollziehen, war bislang nicht möglich. Die mechanischen Stromzähler verraten nicht mehr als den Verbrauch in seiner Jahressumme. Neue digitale Stromzähler können diese Ahnungslosigkeit über den eigenen Energiehaushalt jetzt aber beenden.Yello startet ab Herbst mit einem intelligenten Zähler in den Markt. Damit erhält der Verbraucher einen genauen Überblick über seinen Energiehaushalt – und eine verbrauchsgenaue Abrechnung. Das weckt nicht nur den Enteckergeist auf der Suche nach versteckter Energie, sondern auch das Energiebewusstsein.
Als sich im Jahr 2004 abzeichnete, dass der Zählermarkt mit der geplanten Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes 2005 schrittweise für den Wettbewerb geöffnet werden sollte, begann der Kölner Stromanbieter Yello, einen neuen schlauen Zähler zu entwickeln. Er sollte mehr können als die alten schwarzen Messgeräte, deren Rädchen seit Jahrzehnten in den Kellern der Verbraucher unbemerkt vor sich hin rotieren. Bisher hatten Stromkunden keine Möglichkeit, ihren Verbrauch nachzuvollziehen, obwohl der Wunsch nach mehr Transparenz über den eigenen Energiehaushalt durchaus vorhanden war. So entwickelte Yello den Sparzähler online – ein Stromzähler, der mithilfe von Informationstechnologie die Verbrauchsdaten digital auf den Kunden-PC überträgt. Ein Pilotprojekt mit 1.000 Testhaushalten startete das Unternehmen im Frühjahr 2007. Im Verlauf dieser Pilotphase bestätigte sich, dass die Kunden die neue Transparenz ihres Verbrauchs überaus schätzen. “Durch das neue Wissen wird das Energiebewusstsein der Kunden geschärft, sie können ihren Energiehaushalt eigenmächtig steuern und kontrollieren. Die positive Folgeerscheinung: Unsere Testkunden konnten oft bis zu 10% ihres Stromverbrauchs einsparen“, so Yello-Geschäftsführer Martin Vesper. Im April 2007 präsentierte Yello den Sparzähler erstmals öffentlich: auf der Hannover Messe Industrie. Ein knappes Jahr später, im März 2008, verkündete das Energieunternehmen auf der Computermesse CeBIT den Beginn einer strategischen Partnerschaft mit Microsoft, um den gelben Zähler bestmöglich fortentwickeln zu können. Inzwischen ist die Testphase auf der Zielgeraden angelangt – im Herbst startet der gelbe Sparzähler in den Vertrieb.

Die Technologie

Das Geheimnis des Messgeräts ist ein integriertes Kommunikationsmodul, das die Stromverbrauchsdaten via Inhouse-Powerline – also über die Stromleitung des Haushaltes – zu einem Router sendet. Über ihn gelangen die Daten sekundengenau an den Computer des Kunden. Auf dem PC des Verbrauchers läuft eine Software, deren Grafiken den Stromverbrauch sichtbar machen. Schaltet der Kunde Wasserkocher, Spülmaschine oder Tischlampe ein, schnellt die Verbrauchskurve am Computer nach oben. Beim Ausschalten der Geräte fällt sie ab. Gleichzeitig zeigt das Programm nicht nur die Differenz des Verbrauchs in Watt, sondern auch in Euro an. Die Kosten für die aktuelle Stromabnahme werden zudem automatisch auf ein Jahr hochgerechnet, der Kunde bekommt ein Gespür für das Verhältnis zwischen Energieverbrauch und Kosten. Weitere Benutzeroberflächen machen den Verbrauch der vergangenen Stunden, Tage, Wochen und Monate in Balkendiagrammen sichtbar. Über einen verschlüsselten Internetzugang kann der Kunde diese historischen Daten einsehen. So erkennt er Stromfresser auf einen Blick und kann sie einfach beseitigen. Beispiel Standby-Modus: Laufen Fernseher, Videorecorder und Radio nachts im Bereitschafts-Modus, ist das vergleichbar mit einem tropfenden Wasserhahn. Diesen dreht jeder sofort zu. Strom konnte man bisher weder sehen noch hören, unnötigen Verbrauch bemerkte man meist gar nicht. Der Sparzähler macht jetzt verschenkte Energie sichtbar und hilft damit Stromfresser ganz einfach auszuschalten. Auf diese Weise entlarvt er defekte Geräte, deren Verbrauchskurven nicht nachvollziehbar erscheinen oder Stromschlucker, wie uralte Kühlschränke. Neben den sekundengenauen Daten für den Nutzer sendet der Zähler darüber hinaus alle 15min die Verbrauchsdaten an Yello. Dort werden sie aufbereitet, um eine monatliche Rechnung erstellen zu können – eine weitere Neuerung. “Sparzähler-Kunden erhalten jeden Monat eine Rechnung über exakt die Strommenge, die sie verbraucht haben“, sagt Martin Vesper. Abschlags- oder Nachzahlungen sind damit passé. Die präzise Übertragung der Verbrauchswerte ermöglicht außerdem vergünstigte Nachttarife. Bislang benötigte man dafür einen speziellen Zähler mit zwei Laufwerken, da der Zeitpunkt der Stromabnahme mit den üblichen Drehstromzählern im Nachhinein nicht ermittelt werden konnte.

Die Zukunftsmöglichkeiten

All das ist erst der Anfang einer neuen Stromzähler-Ära. Schon jetzt hat der Sparzähler die technischen Möglichkeiten, mit Haushaltsgeräten zu kommunizieren, die eine eingebaute Intelligenz haben. Via Internet ermittelt das Kommunikationsmodul des digitalen Zählers die Börsenpreise für Strom und gibt sie an das intelligente Haushaltsgerät weiter. Das Gerät wird angesteuert und beginnt entweder dann zu laufen, wenn der Preis besonders günstig ist, oder zu dem Zeitpunkt, den der Verbraucher einstellt. Das kann er mit dem intelligenten Zähler auch über den Computer tun und dabei gleichzeitig die Börsenpreis-Kurve sehen. Noch haben die Verbraucher keinen direkten Nutzen von dieser neuen Technologie, weil die Stromanbieter aufgrund regulatorischer Rahmenbedingungen keine derart variablen Tarife anbieten können. Aber die technischen Voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen. Mit digitaler Zählertechnik könnten künftig auch Lastspitzen im Stromnetz vermieden werden. Es ist der erste Schritt hin zu intelligenten Netzen, die Strom je nach Bedarf einspeisen und so effizienter nutzen.

Kasten1:
“Sparzähler fördert Energiebewusstsein“

GD: Warum hat es so lange gedauert, bis Yello einen digitalen Stromzähler auf den Markt bringen konnte? Die Liberalisierung in der Energiewirtschaft ist immerhin einige Jahre her…
Martin Vesper: Der deutsche Energiemarkt ist zwar seit dem Jahr 1998 liberalisiert, nicht aber das Zähl- und Messwesen. Und genau dieser Bereich ist relevant, wenn es um den Betrieb und das Ablesen von Stromzählern geht. Sprich: Die Stromzähler lagen bis 2005 komplett im Verantwortungsbereich des Netzbetreibers. Erst 2005 wurde mit der Liberalisierung des Zählwesens der erste Schritt gemacht, das Monopol aufzubrechen. Das ermöglichte neuen Anbietern aber nur den Einbau und die Wartung eines neuen Zählers, nicht aber die Messung. Aktuell wird das Energiewirtschaftsgesetz entsprechend geändert – der Gesetzentwurf liegt dem Bundespräsidenten zur Unterschrift vor. Das heißt: Gesetzlich ist es uns als netzunabhängigem Stromanbieter erst jetzt möglich, einen eigenen Zähler mit der entsprechenden Messdienstleistung anzubieten.

GD:Wie ist die Testphase mit dem digitalen Zähler bisher verlaufen?
Martin Vesper: Yello Strom hat im vergangenen Jahr ein Sparzähler-Pilotprojekt mit 1.000 Testkunden gestartet, das jetzt auf der Zielgeraden ist. Der Test zeigt deutlich, dass die Verbraucher ein Bedürfnis haben über ihren Energiehaushalt Bescheid zu wissen und ihn selbst zu steuern. Dadurch, dass die Kunden mit dem Sparzähler ihren Verbrauch erstmals sekundengenau sehen können, bekommen sie automatisch einen engeren Bezug zu Energie und können sie bewusster nutzen. Das hat außerdem zur Folge, dass die Testkunden bis zu 10% an Strom einsparen konnten.

GD: Bekommt jeder Yello-Kunde automatisch ab Herbst den neuen Zähler eingebaut?
Martin Vesper: Nein. Die Kunden haben die freie Wahl, ob sie ihren alten Zähler behalten oder den Sparzähler online nutzen möchten. Für den Yello Sparzähler online ist es nur notwendig, über eine schnelle Internetverbindung, sprich DSL, zu verfügen.

GD: Sind Mehrkosten mit der Nutzung des Sparzählers verbunden?
Martin Vesper: Natürlich wird der Sparzähler etwas kosten – schließlich zahlen Verbraucher derzeit auch für den alten schwarzen Drehstromzähler monatlich Miete und das meistens schon seit Jahrzehnten für ein uraltes Gerät, das sich technisch überhaupt nicht weiterentwickelt hat. Wie sich der Preis für den Sparzähler genau gestaltet, können wir erst zum Marktstart des Zählers im Herbst bekannt geben.

GD: Wie aufwändig ist die digitale Vernetzung im Gebäude, damit der Stromverbrauch visualisiert werden kann?
Martin Vesper: Für die digitale Vernetzung im Gebäude bedarf es keiner Sondervoraussetzungen. Ein Yello-Techniker installiert den Sparzähler online im Zählerkasten, damit ist die digitale Technik automatisch mit dem Stromkreis des Hauses oder der Wohnung verbunden. Im Wohnraum wird dann einfach ein Adapter, die so genannte Lan-Box, in eine Steckdose gesteckt. Daran wird ein Router angeschlossen, der die Daten an den PC sendet. Die komplette Installation übernimmt der Techniker. Er richtet dem Kunden auch seinen persönlichen Zugang zur Yello-Website ein und erklärt ihm, was er mit dem Zähler alles machen kann und wie sein Stromverbrauch am Bildschirm mit einem Klick sichtbar wird. Für den Kunden gibt es also keinerlei technische Hürden.

Kasten 2:
Wussten sie schon, dass…

….eine Kaffeemaschine, die zwölf Stunden am Tag im Standby-Modus läuft, 34E

im Jahr an Stromkosten verursacht?

…eine Stereoanlage im Standby-Betrieb 10W verbraucht? Wer sie also über

Nacht für 7h komplett ausschaltet, kann allein damit im Jahr 5,11E sparen.

…der DSL-Router im Schnitt 20h lang im Standby läuft und dabei täglich

0,24kWh Strom verbraucht? Dieser unnötige Leerlauf kostet im Jahr 17,52E.

…jede Energiesparlampe, die eine Glühbirne ersetzt, 108E Ersparnis bringt? Denn die Sparlampe
hat nur 11W und brennt zehnmal so lang wie eine

60W-Glühbirne.

…eine einzige 60W-Glühbirne im Jahr 35,04E an Energiekosten frisst, wenn sie

am Tag 8h lang brennt?

…eine dreiköpfige Familie im Jahr 14,30E mehr hat, wenn sie ihre Wäsche

nicht bei 90°C, sondern bei 60°C wäscht? Die Maschine verbraucht bei 60°C

40% weniger Strom.

…ein Kühlschrank der Energie-Effizienzklasse B in einem Jahr für 29,60E mehr

Strom schluckt als ein Kühlschrank der Klasse A++? Er verbraucht ungefähr

dreimal so viel Energie.

(Alle Angaben sind Durchschnittswerte)

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