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MobileLifeCampus, Wolfsburg Tages- und Kunstlicht als Ordnungsprinzipien

Eine Plattform für Innovationen ist der MobileLifeCampus, den die Wolfsburg AG als Public Private Partnership der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG gebaut hat. Hauptmieter in diesem hochmodernen, von dem Münchner Büro Henn Architekten entworfenen Gebäudekomplex ist neben dem Bereich Informationstechnologie von Volkswagen die 2002 gegründete ‚AutoUni‘ der Volkswagen Aktiengesellschaft. Sie nutzt das neue Gebäude als Ort für innovative Projekte in Lehre und Forschung, damit der Autokonzern – mit anwendungsbezogenem, wissenschaftlich angereicherten Wissen auf höchstem Niveau ausgestattet – die Herausforderungen der globalen Märkte und der Arbeitswelt im
21. Jahrhundert erfolgreich meistern kann.
Als architektonischen Grundgedanken wählte Architekt Gunter Henn eine gefaltete Bandstruktur. Das doppelt gefaltete fünfgeschossige Band, das diagonal die Richtung wechselt, verbindet Räume und Höfe und ordnet sie in eine erlebbare Logik ein. Die diagonal verschränkten, transparenten Strukturen auf 25.000m² Grundfläche bieten zahlreiche Kommunikationsflächen, Terrassen sowie Eventflächen im Innen- und Außenbereich. Vor allem das großzügige, von Licht durchflutete, mit Glas überdeckte Atrium, das sich über vier Geschosse erstreckt und zu dem alle Wege führen, charakterisiert die Architektur des Campus. Die Aufgabe für die Beleuchtung der AutoUni ist geprägt von den Zielformulierungen für das Gebäude: eine Corporate University, die diesen Begriff neu zu definieren sucht. Ein Ort, der die Wissensvermittlung und die Suche nach neuen Erkenntnissen zwischen wissenschaftlichem Forschen und unternehmerischen Fragestellungen verbindet. Dieser Ansatz für eine Universität ist neu und so neu sollte das Gebäude in seiner Interpretation dieses geistigen Inhaltes sein. Für das Licht spielt damit die andersartige Perspektive auf das Haus eine wichtige Rolle. Ein unverwechselbarer Ort sollte geschaffen werden, der auch durch das Licht ’scharfgestellt‘ wird und klar identifizierbar sein soll. Das Licht soll Ordnungen schaffen und zu einer effektiven Wahrnehmung beitragen. Es wurde eingesetzt als Subsystem zu den Ordnungsprinzipien der Architektur hinsichtlich Form und Funktionen.

Tageslicht in den Denk- und Dialogbereichen im Atrium

Das Tageslicht wurde als grundlegender Faktor für den Lichtentwurf angesehen. Für die Lichtplaner von Kardorff Ingenieure, Berlin, hatte die Nutzung der kostenfreien Ressource für die Belichtung der Arbeits- und Denkbereiche sowie zum Erreichen einer besonderen Lichtatmosphäre in den großen Raumzusammenhängen und insbesondere im Atrium oberste Priorität. In dem Gebäude wurde für jede Ebene der Tageslichtquotient ermittelt. Dies ist der Anteil der horizontalen Beleuchtungsstärke im Gebäude im Verhältnis zur horizontalen Beleuchtungsstärke im unverbauten Außenraum. Er wird bei bedecktem Himmel gemessen bzw. simuliert. Auf einer Büroarbeitsfläche sollte er mindestens 2% aufweisen. Die Auswertung der Tageslichtquotienten zeigte generell eine gute Verteilung des Tageslichts im Gebäude. Zusätzlich wurde die Tageslichtautonomie für die Arbeitsplätze untersucht. D.h. es wurde berechnet, wieviel Prozent der Nutzungszeit über das Jahr der Arbeitsplatz ‚autonom‘, also ohne Kunstlicht ausschließlich durch Tageslicht beleuchtet werden kann. Die Nutzung des Tageslichts konnte durch entsprechende Anordnung, Zonierung und Gruppenbildung von Leuchten und die damit verbundene Schaltung optimiert werden. Aus der Untersuchung der Tageslichtautonomie ging hervor, dass durch die getrennte Schaltung der Leuchtenreihen in den Bürotrakten bis zu ca. 40% Strom eingespart werden kann. Grundvoraussetzung für einen solchen Einsparungseffekt ist dabei auch die Leuchtenanordnung parallel zur Fensterachse.

Leuchten transportieren die Typologie der Industriewelt

Die Beleuchtung der Innenbereiche orientiert sich an der Bänderung des Gebäudeentwurfes. Es wurde eine Hierarchie der einzelnen Bänder festgelegt, um Linien für die Struktur der Leuchten an der Decke einzuführen, die die Orientierung im Haus stärken soll und den Grundstock legt für die weiteren Bauabschnitte, die sich aus dem Gedanken der Bänderung weiter entwickeln werden. Im Detail ist zu erkennen, wie einerseits die Leuchtenanordnung der Bänderung folgt, andererseits in der Querachse dazu durchlaufende Strukturen entstehen, die durch transparente Wände bzw. offen stehende Türen erkennen lassen, dass die Leuchten sich zunächst im Raumkontinuum der Umfassungsflächen orientieren und erst in zweiter Hinsicht auf die Geometrie des Einzelraumes eingehen. Der Grundgedanke der Lichtplaner Kardorff Ingenieure war: „Die AutoUni, die tradierte Wege der Universität und der Lehranstalt verlässt, soll sich in der Typologie der Leuchten nicht anlehnen an Bekanntes. Weder das Büro noch die klassische Ausbildungsstätte bieten daher mit den dort gewohnten Leuchten ein Vorbild. Wenige Leuchten, vielseitig eingesetzt und in einen neuen Zusammenhang gestellt, erzeugen ein neues Bild – ungewohnt und vielleicht dadurch stimmig zu der Architektur und dem Sinn des Hauses“. Die gewählte Leuchte für die Allgemeinbeleuchtung der Arbeitsbereiche und Flure, peanut von Regiolux, versucht sich einer tradierten Typologie zu entziehen. Der Grundkörper als Kunststoff-Chassis, zusammengefügt aus zwei transparenten Halbschalen, erinnert an Karosseriebau und industrielle Fertigung. Damit ist diese Leuchte weit entfernt von klassischen Bildern einer Büroleuchte. Das geschlossene Gehäuse erreicht die Schutzart IP55 und schützt das Innere des Gehäuses gegen Staub und Spritzwasser. Das Gehäuse ist schlagfest, so dass auch eine große Dauerhaftigkeit der Leuchte für jahrelangen Betrieb gewährleistet ist und durch eine leichte Reinigung der anfängliche Eindruck über viele Jahre erhalten bleibt. Durch die Ergänzung der Leuchte mit unterschiedlichen Lampenbestückungen und der Einfügung eines Entblendungsrasters in den Arbeitsbereichen wird eine hohe Flexibilität erreicht. So ist eine bildschirmgerechte Beleuchtung ebenso möglich wie eine sehr breite und diffuse Strahlung für Flure oder Nebenräume.

Licht aus den Seminarboxen inszeniert das Atrium

Der erste Eindruck des Hauses nach dem Betreten ist das zentrale, glasüberdeckte Atrium. Es ist das formale und funktionale Zentrum des Gebäudes, ein Raum für informelle Kommunikation und spannende Perspektiven mit großzügigen, offenen Verkehrsflächen und Treppenanlagen. Seine Unverwechselbarkeit verdankt er indes den frei in den Luftraum ragenden, stirnseitig verglasten Seminarräumen, die den Blick nach oben strukturieren. Zusätzliche Dynamik erhält das Atrium durch das einfallende, intensive Tageslicht, das – je nach Sonnenstand und Jahreszeit – auf die Brüstungen trifft und alle Ebenen erreicht. Diesem sich sehr veränderndem Licht wurde ein Kunstlicht zur Seite gestellt, das durch gebündeltes Licht die komplexe Architektur akzentuiert. Das Licht in der Nacht kommt aus den Fugen der Seminarboxen, die ebenfalls mit peanut-Leuchten ausgestattet sind. Die Deckenuntersicht erhielt einen Schlitz, in dem Strahler eingelassen sind, die Lichtakzente frei in der Halle ermöglichen. Es entsteht der Eindruck, dass die Seminarboxen das Licht zur Inszenierung des Atriums liefern. Durch den eingelassenen Schlitz sind die Leuchten mit den Boxen verwoben und nicht appliziert. Die Lage des Lichts entspricht damit der Grundstruktur der Architektur. In den ins Atrium ‚eingeschobenen‘ Seminarräumen verläuft die Ausrichtung der Leuchten vertikal zur Hauptausrichtung. Dadurch wird ihre gestalterische Sonderstellung betont. Eine Beleuchtung der Wandflächen wird mit Hilfe spezieller Lichttechnik in den peanut-Varianten erreicht. Der vordere verglaste Bereich wird mit Halogenstrahlern beleuchtet.

Das VW-torium Maximum: Licht-Bänder als Abbild von Präzision

Im großen Vortragssaal wird nicht nur zugehört und mitgeschrieben, sondern gesprochen, diskutiert und entwickelt. Das Licht ergänzt die Unverwechselbarkeit des Raumes und spielt mit der Typologie der Industriewelt. Wichtig erschien den Lichtplanern, einerseits an Erinnerungsmomente des klassischen Audimax anzuknüpfen, andererseits aber eine völlig neue Interpretation dieses Raumes zu ermöglichen. Vier durchgehende Bänder akzentuieren den Durchlauf des Außenbereichs bis in das Atrium hinein. Das Motiv für das Band entwickelt sich aus Strichcodes mit Hell-Dunkel-Streifen, die ihre Information aus den unterschiedlichen Abständen gewinnen. Codierung und damit eindeutige Zuordnung sind eine Grundvoraussetzung für den industriellen Fertigungsprozess und somit ein Abbild von Präzision und korrekter Zuordnung. Das Licht in den Bändern wird mit linearen Leuchtstofflampen erzeugt, die ihre Querentblendung durch eine aluminiumbedampfte Ringlamelle erhalten und in Längsrichtung durch die Höhe des Deckenschlitzes entblendet sind. Basis für diese Sonderleuchte bildet das für industrielle Anwendungen konzipierte Schnellmontagesystem SDT von Regiolux. Zwischen den Bändern ist die Decke mit einem Streckmetall verkleidet. Darüber montiert sind Reflektoren von Hallenspiegelleuchten mit dimmbaren Halogen-Glühlampen. Der große Lichtkegel bildet sich auf dem Streckmetall als leuchtende Kreisfläche ab und sorgt für brillantes Licht und die richtige Lichtfarbe für Abendveranstaltungen. Auf eine Fassadenanstrahlung des Gebäudes wurde bewusst verzichtet, um den Lichtaustritt durch die transparenten Flächen in den Vordergrund zu stellen und damit den Kontrast zwischen Öffnung und Geschlossenheit der Fassade zu stärken und deutlich erkennbar zu machen.

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