Lautstärkegeregelte Alarmierung

Soft-Start verhindert Schockreaktion

Brandmeldetechnik in Alten- bzw. Pflegeheimen

Der vorliegende Beitrag vermittelt Hintergrundinformation zur sinnvollen Projektierung von Brandmeldetechnik in Alten- bzw. Pflegeheimen. Um im Ereignisfall ein Erschrecken der Bewohner über den plötzlichen Alarmton der Signalgeber zu verhindern, wurde eine lautstärkegeregelte Alarmierung für Brandmelder und Alarmgeber entwickelt.
Mit der starken Zunahme der älteren Bevölkerung wird der Bau von Alten- und Pflegeheimen forciert werden müssen. In diesem Zusammenhang kommt der sicherheitstechnischen Planung – insbesondere der professionellen Brandmeldetechnik – starke Bedeutung zu. Bei allen planerischen Aktivitäten muss der Mensch im Gefahrenfall im Vordergrund stehen. Gerade in Alten- und Pflegeheimen, in denen die Patienten nur über eingeschränkte Beweglichkeit verfügen, müssen spezielle Aspekte Berücksichtigung finden, um zu verhindern, dass sich durch zeitliche Verzögerungen bei der Brandbekämpfung oder bei der Evakuierung tödliche Folgen ergeben. Vor diesem Hintergrund wurde unter anderem das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) auf den Weg gebracht. Dort heißt es in §1: „Ziel dieses Gesetzes ist es, die Benachteiligung von behinderten Menschen zu beseitigen und zu verhindern, sowie die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Dabei wird besonderen Lebensbedürfnissen Rechnung getragen.“ Um auch Menschen mit eingeschränktem oder nicht vorhandenem Hör- bzw. Seh-Sinn zu erreichen, sollte eine Alarmierung nach Möglichkeit nach dem Zwei-Sinn-Prinzip erfolgen. Das bedeutet, dass immer zwei voneinander unabhängige Sinne angesprochen werden. Zum Beispiel: Sirene (akustisch) plus Blitzleuchte (optisch). Für Gehörlose bzw. schwerhörige Menschen ist zusätzlich ein Vibrationsmelder möglich, der zum Beispiel in einem Kissen (während des Schlafs) oder in Armbanduhren integriert werden kann.

Softstart-Modus

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es – gerade bei älteren pflegebedürftigen Personen – Panik zu vermeiden. In diesem Zusammenhang kann es von entscheidender Bedeutung sein, wenn ein entsprechendes Alarmsignal nicht unmittelbar mit der vollen Lautstärke auf die Bewohner einströmt. Abhilfe schafft hier der Soft-Start-Modus für Brandmelder und Alarmgeber: Die langsam ansteigende Lautstärke verhindert Schock-Reaktionen beim ersten Warnton und ermöglicht so eine bewusstere Wahrnehmung der bestehenden Situation, verhindert Panikreaktionen und erleichtert so die Selbstrettung. Insbesondere im Krankenhaus- oder Pflegebereich ist eine ’schonende‘ Alarmierung unerlässlich, etwa bei Herz-Patienten oder älteren Menschen. Der Neusser Hersteller Novar hat für seine Brandmelder der IQ8Quad-Serie sowie für die IQ8-Alarmgeber einen Modus entwickelt, der über die komfortable Programmiersoftware tools8000 spezifiziert werden kann. Dies ist wahlweise für jeden einzelnen Melder programmierbar oder alternativ für ganze Alarmierungsbereiche. Gerade in den Zimmern ist es sinnvoll, den Alarmton langsam ansteigend zu programmieren. Eine Synchronisation der Alarmgeber, zu denen auch Blitzleuchten zählen, beugt bei epileptisch veranlagten Bewohnern einem Anfall vor.

Brandmelder mit Sprachfunktionalität

Neben der Vermeidung von Panik kann auch Informationsmangel im Gefahrenfall die verzögerungsfreie Warnung sowie die schnelle und gezielte Evakuierung der betroffenen Personen behindern. Konventionelle Signalgeber wie Sirenen, Wecker oder Hupen werden im Brandfall häufig ignoriert. Ursache dafür ist oftmals eine Fehlinterpretation oder die Handlungsunfähigkeit aufgrund fehlender Kenntnis über die Geräuschursache, vorhandene Fluchtwege oder Ähnliches. Durch multilinguale Sprachalarmierung, vorprogrammierte Durchsagen oder flexible Signalkombinationen sorgen spezielle Brandmelder und auch Signalgeber für zielgerichtete Information im Gefahrenfall. Mit multifunktionalen Brandmeldern kann darüber hinaus sichergestellt werden, dass bei Gefahr eine schnelle, deutliche und effektive Warnung der in einem Gebäude befindlichen Personen erfolgt, die eine Selbstrettung durch eindeutige Hinweise erleichtert. Die Europanorm EN 54-3 unterscheidet in ihrer erweiterten Fassung zwischen akustischen Signalgebern für Tonausgabe und akustischen Sprachsignalgebern mit Achtungssignal und zweckbestimmten Sprachdurchsagen. Grund für die erhöhten Anforderungen ist die Erkenntnis, dass Menschen im Alarmfall aufmerksamer werden, wenn zusätzlich zum Signalton eine klare und eindeutige Sprachdurchsage erfolgt. Die Brandmelder IQ8Quad und die Alarmgeber IQ8Alarm der Marke Esser stellen neben der Tonausgabe auch Sprachmitteilungen bereit. Es können unterschiedliche Texte in mehreren Landessprachen ausgeben werden – und das alles Bus-versorgt. Die Erfüllung der Vorgaben aus der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) müssen ebenfalls sichergestellt sein: Bei der Ringbusalarmierung sind die zulässigen fünf Sekunden für Funktionsunterbrechung bei Leitungsfehlern zu berücksichtigen.

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