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Kläranlage mit 27kW-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach:
Doppelter Einsatz für den Klimaschutz

Auf den drei Dächern der Gernsheimer Kläranlage in der Friedrich-Wöhler-Straße wurde im Frühjahr 2008 eine Photovoltaik-Anlage installiert. Die Firma ESD-Energiesysteme Deutschland GmbH, ansässig in der Region in Pfungstadt, hat die Anlage geplant, geliefert und installiert. Sie gewinnt mit einer Kapazität von 27kWp (kW-Spitzenleistung) Strom aus Sonnenlicht. Die Module auf dem Dach wurden von der Firma Solon in Berlin produziert. Der hier gewonnene Gleichstrom wird zur Einspeisung ins Netz in Wechselstrom umgewandelt – von Wechselrichtern vom Unternehmen SMA aus Kassel.
Die Kläranlage hat mit der PV-Anlage keinen Aufwand. Der Betriebsleiter der Kläranlage, Abwassermeister Tanju Gürbüz, kontrolliert lediglich, ob sie ‚läuft‘. Sollte es, wie jüngst geschehen, zu einer Störung der Wechselrichter kommen, wird diese durch den Hersteller umgehend behoben, wie er anerkennend feststellt. Die Kläranlage hat mit ca. 1.000kWh am Tag einen hohen Strombedarf, vor allem bei Trockenwetter. Der Solarstrom dient jedoch nicht zur Deckung des eigenen Bedarfs, sondern wird gewinnbringend ins Netz des EWR Worms eingespeist. Grundlage ist das Erneuerbare Energiengesetz (EEG), das der Stadt Gernsheim für diese Anlage eine Einspeisevergütung von 49,21ct/kWh für 20 Jahre plus dem Jahr der Inbetriebnahme garantiert. EWR ist der regionale Energieversorger im südlichen Ried und in Rheinhessen. In dessen Netzgebiet werden ca. 340.000 Menschen mit elektrischer Energie versorgt. “Die Förderung von Photovoltaik-Anlagen ist sicherlich ein geeigneter Weg, um die Entwicklung regenerativer Erzeugungsanlagen voranzubringen“, führt Johannes Krämer, Geschäftsführer der EWR Netz GmbH, aus. “Dass das Förderkonzept angenommen wird, sehen wir schon daran, dass in unserem Netzgebiet bereits über 2.000 Anlagen an das Netz angeschlossen wurden. Das sonnenreiche Klima in unserer Region trägt weiterhin dazu bei, dass die Anlagen mit hoher Sonnenausbeute betrieben werden können.“

Die Pilotanlage

Durch die Einspeisevergütung amortisiert sich nicht nur die Investition, die PV-Anlage der Kläranlage wird zusätzlich auch noch Gewinn abwerfen. Für den eigenen Verbrauch wird der derzeit noch billigere Strom aus dem Netz bezogen. Nach den 20 Jahren kann die Kläranlage dann mit dem selbst produzierten Strom zumindest einen Teil des eigenen Stromverbrauchs decken. Der Einsatz von PV-Anlagen auf städtischen Einrichtungen werde in Gernsheim schon länger diskutiert. Nun sei man punktuell mit dieser Pilotanlage gestartet, die noch kein vollständiges Programm darstelle. Als nächstes Objekt kämen eventuell die Dachflächen des Wasserwerks in Frage, erklärt Jürgen Weinmann. Der Dipl.-Ing. und Techniker leitet das Gernsheimer Tiefbauamt mit Versorgung, Wasserwerk und Kläranlage. Die Kommunen müssten sich schließlich wie Privatleute die Frage stellen: “Wie kann ich mit meinem Geld am meisten erreichen?“ Dabei sehe er nicht eine Energieform alleine als entscheidend an. Es gelte, aus dem Bereich der Regenerativen Energien alle möglichen Bausteine zu nutzen. Weinmann erwähnt hier auch die Möglichkeiten von Erdwärme und Biomasse. Auch die Nutzung von Solarthermie für Heizung und Warmwasserversorgung der Umkleide- und Duschräume des Gernsheimer Sportplatzes gehöre dazu.

Die Auswahlkriterien

Die Zusammenarbeit mit ESD beim Bau der Solaranlage hat laut Weinmann mit einem guten Miteinander geklappt. Natürlich habe man bei der Vielzahl der Anbieter im Solarbereich ein Auswahlproblem. Über Energieberatungen und verschiedene Plattformen habe er eine Auswahl von Lieferanten zusammengestellt. Entscheidungskriterien waren z.B. der Gerichtsstand, wenn es Probleme geben sollte, sowie Module aus deutscher Produktion. Auch der Wirkungsgrad der Module sowie Referenzen der Zellhersteller – sie liefern die Grundlagen für die Modulproduktion – seien in die Entscheidung eingeflossen. Leistungsgarantien seien überall ähnlich, entscheidend sei schließlich die wirtschaftlichste Lösung. So wie alle Stromkunden Vorauszahlungen für ihren Stromverbrauch an den Versorger entrichten, so zahlt die EWR Worms einen angenommenen Betrag als Umlage an den ‚Einspeisebetrieb‘, in diesem Falle die Stadt Gernsheim. Am Ende des Berechnungszeitraums sei mit einer Nachzahlung zu rechnen, weil die tatsächlichen Erträge wohl höher liegen werden. “Wir freuen uns, dass wir den hohen Ansprüchen der Kommune Gernsheim genügen konnten und so in der Region einen Beitrag zu Energieversorgung und Klimaschutz leisten können“, erklärt Vertriebsleiter Berndt Stiller von ESD, “Gerade im hessischen Ried und der gesamten Oberrheinregion spüren wir bei den betreuten Projekten, wie wichtig und vorteilhaft die direkte Nähe zum Kunden für beide Seiten ist.“ Die PV-Anlage auf den Dächern der Kläranlage sei Ergebnis eines Dialogs zwischen Politik und Verwaltung mit Bürgermeister Rudolf Müller und Erstem Stadtrat Heinrich Adler, der 2007 auf diesem Feld konkret geworden sei, so Tiefbauamtsleiter Weinmann.

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