Kabelabschottung

Erste Geige im
Sicherheitsorchester

Damit ein Orchester gut klingt, müssen alle Instrumente top aufeinander abgestimmt sein. Bei der Gebäudesicherheit ist es nicht anders. Leider spielt die Kabelabschottung hier oft nur die zweite Geige. Dabei können gerade Kabelbrände empfindliche Misstöne erzeugen. Bauplaner sollten vorbeugen, um stets für wohlige Klänge zu sorgen. Aber welches System spielt den richtigen Ton im Sicherheitsorchester des Gebäudes?
Schottsysteme für Kabel sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, die je nach Anwendungszweck ihre Vor- und Nachteile haben. Gebäudeplaner sollten zunächst beurteilen, ob die technischen Möglichkeiten, die mit der jeweiligen Zulassung gegeben sind, den Anforderungen der geplanten Durchführung gerecht werden. Zu beachten sind dabei der Feuerwiderstand und die Bauart der Wand bzw. Decke sowie deren Dicke. Es kann z.B. dazu kommen, dass bei leichten Trennwänden spezielle Laibungen in die Öffnungen eingebaut werden müssen. Bei zu geringen Wanddicken ist es zudem möglich, dass zusätzliche Aufplankungen einzuplanen sind. Darüber hinaus sollten die Zulassungen der vorhandenen oder geplanten Kabel und Leitungen überprüft werden. Beispielsweise könnten nur ein eingeschränkter Kabeldurchmesser zugelassen oder bestimmte Kabeltypen wie Hohlleiter ausgeschlossen sein. Ergänzend müssen im Normalfall festgelegte Abstände zwischen den Kabeln eingehalten werden. Neben der technischen Eignung spielt auch die vorgesehene Nutzung des Gebäudes bei der Auswahl einer Kabelabschottung eine wichtige Rolle. Denn insbesondere in Industrie-, Labor- oder Verwaltungsgebäuden kommt es häufig zu Umbaumaßnahmen, die auch die Verkabelung und somit die Kabelabschottungen betreffen. Die Abschottungen müssten bei Neuinstallationen geöffnet und wieder instandgesetzt werden, was auf Dauer sehr kostenintensiv sein kann. Nicht zuletzt gibt es die grundsätzliche Vorgabe, dass Schottsysteme nicht miteinander gemischt werden dürfen. Die korrekte Funktion ist nur dann gesichert, wenn die zueinander passenden und miteinander geprüften Materialien verwendet werden. Unter den Schottsystemen stehen verschiedene Materialien zur Auswahl.

Ausgewählt abgeschottet

Eine beliebte Abschottung ist der Brandschutzschaum. Er ist relativ günstig, einfach anwendbar und daher speziell bei weniger erfahrenen Anwendern beliebt. Die Variante schäumt im Brandfall durch Wärme auf und eignet sich für kleinere, unregelmäßige Öffnungen. Doch bei größeren Öffnungen kommt das Schaumsystem an seine Grenzen. Zudem besteht die Gefahr, dass unerfahrene Anwender Zulassungsbestimmungen missachten, was zu kostspieligen Rückbaumaßnahmen führen kann. Eine ebenfalls günstige Variante sind Mineralfaserschotts. Die Installation der vorbeschichteten Mineralfaserplatten kann je nach Kabelverlegung sehr aufwendig sein. Zunächst werden die Platten in die zu schützenden Öffnungen gestellt, an die Installationen gearbeitet und abschließend zusätzlich beschichtet. Durch eine komplizierte Kabelverlegung kann der Fall auftreten, dass manche Kabel nicht mehr von allen Seiten zugänglich sind und daher nicht ausreichend beschichtet werden können. Die möglichen Folgen sind umständliche und teure Sonderlösungen. Darüber hinaus gibt es die Mörtelschotts, die sich speziell für Massivwände und -decken eignen, da meistens nur hier ohne besondere Aufleistungen eine ausreichende Wanddicke vorhanden ist. Bei größeren Schottungen kommen zum Anmischen spezielle Mörtelpumpen und Mischer zum Einsatz. Über dieses Werkzeug bzw. Zubehör verfügen jedoch meist nur spezialisierte Firmen. Der Einsatz ist nicht staubfrei, und Nachinstallationen sind häufig nur möglich, wenn bei der Installation an sogenannte ‚Nachinstallationskeile‘ gedacht wurde. Als weitere Alternative dienen sogenannte Kissenschotts. Die Brandschutzkissen bestehen meist aus einer günstigen Mineralfaserbasis, ergänzt mit aufschäumenden Baustoffen und einer Hülle aus Glasfasergewebe oder Plastik. Bei der Installation werden die Kissen horizontal, schichtweise und gegeneinander versetzt in die Öffnung eingelegt. Wenn die Stopfdichte nicht ausreicht – was oft vorkommt – gefährdet dies einen durchgängigen Brandschutz. Des Weiteren gibt es spezielle Formblöcke zum Abschotten. Sie werden im Stile von Backsteinen in die Öffnung eingestapelt und an die vorhandenen Installationen angearbeitet. Im Brandfall schäumen sie auf und bilden eine Isolierschicht. Möchten Anwender nachträglich Kabel verlegen, müssen einzelne Formblöcke entnommen werden. Nach einer bestimmten Zeit ist dies aber nur eingeschränkt möglich, weil die Steine untereinander vulkanisieren können. Dies erschwert Kabelnachinstallationen enorm.

Vorausdenken lohnt sich

Neben diesen verschiedenen Materialien stechen unter den Schottsystemen die fest installierten Kabelboxen hervor. Sie bestehen aus einem Stahlblechgehäuse, das in Öffnungen in Wänden, Böden, Decken und im Unterflur eingebaut wird, um Kabel hindurchzuführen und gegen Feuer und Rauch abzuschotten. Spezielle Brandschutzpakete im Inneren der Box schäumen im Brandfall auf und verschließen die Öffnung. In der Box gibt es einen maximal zulässigen Freiraum von 60%, der mit Kabeln aller Art ohne Begrenzung des Kabeldurchmessers belegt werden kann. Das hilft viele Planungs- und Montagefehler zu vermeiden. Nachdem Anwender die Kabel durchgeführt haben, dichten sie die Box an den Stirnseiten mit speziellen Schaum-stopfen und einer dauerelastischen Dichtmasse gegen Rauch und Feuer ab. Für die Dichtmasse müssen dabei keine zusätzlichen Brandschutzanforderungen beachtet werden. Die Kabelbox scheint im Vergleich zu den anderen Schottsystemen teurer, was viele Monteure abschreckt. Die Anwender vernachlässigen dabei den Faktor Nachhaltigkeit. Müssen Kabelinstallationen in manchen Bereichen eines Hauses oft verändert werden, z.B. um neue Kabel zu verlegen, sollten sich die Abschottungen flexibel anpassen können. Es kann teuer und aufwendig werden, wenn Abschottungen immer wieder von Fachunternehmen mit systemgebundenen Spezialbaustoffen instandgesetzt werden müssen. Je nach Situation kann die Kabelbox schon nach der ersten Kabelnachinstallation günstiger sein als z.B. ein zunächst wesentlich billiger wirkendes Mineralfaser- oder Mörtelschottsystem, weil die Instandsetzung sofort und mit handelsüblichem Dichtstoff wie Silikon oder Acryl vorgenommen werden kann.

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