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Interview:
Mobile USV-Anlagen

Die Roton PowerSystems, bekannt als USV-Hersteller, produziert neuerdings mobile USV-Systeme. Der geschäftsführende Gesellschafter, Herr Anton J. Pleyer, erläutert der GEBÄUDEDIGITAL in einem Interview, was das Unternehmen dazu bewogen hat, doch nicht wenig Geld in die Entwicklung und Produktion dieser Systeme zu investieren.
Die Roton PowerSystems produziert zum Kauf und zur Miete erstmals vollkommen neue mobile USV-Systeme. Was gab den Ausschlag dafür?

Pleyer: Schlichtweg die Markterfordernisse. Zunächst haben wir den Markt sehr genau beobachtet. Die Verschlechterung unserer Stromnetze und die immer höher werdende Sensibilität der Verbraucher können heute nicht mehr einfach direkt vom Netz oder durch einen im Hintergrund stehenden Dieselgenerator bei Stromstörungen oder gar bei Ausfällen betrieben werden. Viele Unternehmen sichern ihre Systeme korrekt ab. Dennoch gibt es unvorhergesehene Ereignisse, die einen schnellen und auch oft nur kurz- bzw. mittelfristigen Ersatz erfordern. Andere planen eine temporäre mobile Ersatzlösung. In Summe waren es diese und noch weitere Inputs von außen und natürlich auch nicht unerheblich viele eigene innovative Ideen, die uns zu dieser Entscheidung bewegten.

Wie kamen Sie auf die Idee einer ganzheitlichen mobilen USV- Lösung?

Pleyer: Nun, es ist zugegeben eine für den USV-Markt vollkommen neue Idee, komplett funktionsfertige USV-Anlagen oder Systeme in mobile, moderne Wechselbrücken-Container zu verbauen und binnen kürzester Zeit am Einsatzort zu haben. Es sind natürlich für einen mobilen USV-Betrieb gänzlich andere Parameter zu beachten. Ein persönliches, elementares Erlebnis war auch der ‚Black Out‘ in Wien, während der Fußbal-Europameisterschaft 2008 – für mich war es ein Schlüsselerlebnis, denn so etwas darf einfach nicht passieren. Ich dachte: Hier muss etwas geschehen.

Wofür können oder sollen diese Systeme eingesetzt werden?

Pleyer: Wir unterscheiden hier zwischen zwei Bedarfsfällen. Einerseits ein ungeplantes Ereignis oder gar eine Notsituation: Hier kann z.B. eine vorhandene USV-Anlage plötzlich unreparabel ausgefallen sein oder ein IT-Center ist plötzlich ungeschützt am Netz oder es wird für einen hochsensiblen Bereich wie einem Gesundheitssystem sofort Hilfe benötigt. Dann gibt es den zweiten Bedarfsfall: Die geplanten Einsätze. Das können z.B. Umbauarbeiten sein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, warum kurzfristig und schnell (!) eine mobile USV benötigt wird. Mit den Roton-mobile-USV-PowerStation-Systemen ist diese Lücke nun geschlossen.

Welche Unterschiede verbergen sich hinter den Begriffen Indoor- & Outdoor-USV-Systeme?

Pleyer: Für den Indoor-Betrieb stehen herkömmliche, aber im jeweiligen Gehäuse-Rahmen verstärkte mobile USV-Systeme von 3 bis zu 100kVA mit jeweils fertig bestückten Batterieschränken zur Verfügung. Hier halten wir stets die Systeme mit neuen Batterien fertig geladen und sofort einsatzbereit vor. Für den Outdoor-Betrieb stehen Roton mobile USV PowerStationen auf Wechselbrücken/ -Koffern/-Containern bereit. Diese kommen immer dann zum Einsatz, wenn größere Leistungen schnell gefordert werden oder gar keine Indoor-Möglichkeiten bestehen. Hier stehen Leistungen ab 100 bis 500kVA zur Verfügung.

Sie sagen, die USV-Systeme sind in verschiedenen Leistungsklassen, schnell und kurzfristig vor Ort einsatzbereit. Wie ist das zu verstehen?

Pleyer: Nun, die Systeme stehen einsatzbereit in unserer Firmenzentrale in Neulingen-Bauschlott. Wir können die Systeme mit unserem eigenen Werksverkehr und Wechselbrücken jederzeit, ggf. mit Sondergenehmigung auch an Sonn- und Feiertagen, zu dem gewünschten Ort bringen. Da bereits ausgangsseitig komplette Unterverteilungen vorhanden sind, können die Systeme innerhalb weniger Minuten in Betrieb gehen, wobei die Einspeisung vom Netz oder vom Generator kommen kann. Das Roton Control Management (RCM) erlaubt die dauernde Fernüberwachung, so werden – unter vielen anderen – Parameter wie Leistung, Funktion, Temperatur überwacht, gleichzeitig aber auch Einbruch oder sonstige Einwirkungen gemeldet.

Lassen Sie uns über die eingesetzte Technik sprechen – was erhält der Kunde?

Pleyer: Nun, das ist gleich und doch sehr unterschiedlich. Zunächst möchte ich darlegen, dass wir, gleich welche USV-Leistung benötigt wird, ausschließlich Dauerwandler-USV-Anlagen gemäß VDE0558 EN50091-3 (VFI-SS111) vor Ort bringen – wir produzieren auch gar keine anderen. Die großen Container der Roton-mobile-USV-PowerStation-Sys­teme sind wie auch die Indoor-Miet-Systeme ab 20kVA erhältlich, zusätzlich alle jeweils mit Ausgangstrenntrafo versehen (galvanische Isolation oder Trennung), weiterhin mit 12-Puls-Gleichrichtern ausgestattet, um Probleme bei Generatoreinspeisungen gänzlich auszuschließen. Wir setzen hier bewusst 12-Puls-Gleichrichter ein und keine IGBT-Technologie – diese mobilen USV-Systeme dürfen auch im Extremeinsatz weder Fehler noch Schwächen zeigen und müssen über Outdoor-Funktion im Hochsommer, bei Wind und Sturm sowie im Winter bei -20ºC verfügen.

Wie verhält es sich mit den Batterien? Wie werden die kontrolliert?

Pleyer: Roton-mobile-USV-PowerStation-Systeme haben stets Batterien, die nach Einsätzen, spätestens jedoch jährlich gewechselt werden. Alle Systeme unterliegen unserer sehr strengen Werkskontrollnorm, das bedeutet: alle drei Monate Zusatzwartung. Darüber hinaus verfügen die Systeme über einen automatischen Batterietest, der aber aufgrund unserer bereits erwähnten Wartungshäufigkeit, speziell für diese Systeme, nur noch – Sie gestatten den Vergleich – ‚ein zusätzliches Kopfkissen hinter dem Airbag‘ darstellt.

Fernüberwachung: Was bedeutet das für den Kunden?

Pleyer: Sicherheit und nochmals Sicherheit, denn nicht nur wir, vielmehr auch der Kunde, hat diverse Möglichkeiten, die mobile USV PowerStation zu kontrollieren. Er hat Einblick in Einspeisung und Leistungsabgriff, kann Status abrufen, ggf. eingreifen, ist immer in Echtzeit informiert.

Was passiert, wenn die mobile USV-Anlage, z.B. durch äußere Einflüsse selbst eine Störung hat?

Pleyer: Dieser Fall ist seltener als der berühmte Sechser im Lotto, aber selbst dafür haben wir eine Sicherheit implementiert. Zunächst schaltet die USV-Anlage im Störungsfall (das kann wie in Wien ein Blitzschlag sein, also eine Überspannung) auf den internen Bypass. Dies geschieht absolut unterbrechungsfrei; jetzt sind die Verbraucher direkt am Netz. Stellen Sie sich bitte als Beispiel folgendes Szenario vor: Die USV hat durch eine Spannungsspitze Schäden erlitten, das heißt, sie hat diese abgefangen, die Verbraucher geschützt und nun sind die USV-eigenen Komponenten dadurch beschädigt worden. Jetzt erhalten wir einen Alarm – per SMS, E-Mail, das ist frei programmier- und wählbar. Da alle unsere fest angeschlossenen USV-Anlagen mit sogenannten Wartungsbypässen ausgestattet sind, können wir die USV-Anlage unter laufendem Betrieb, ohne Strom-Unterbrechung des Verbrauchers, wieder instand setzen und unterbrechungsfrei zurückschalten.

Wie reagiert der Markt auf diese Innovation?

Pleyer: Viele Gespräche mit führenden Unternehmen in der Event-Branche, mit leistenden Unternehmen in der Elektro-Branche bis hin zu den Energieversorgern haben uns gezeigt, dass wir richtig gehandelt haben.

Welche Dienstleistungen oder auch Arbeiten außer dem Transport werden von Ihnen erbracht bzw. werden benötigt?

Pleyer: Wir, das heißt unsere USV-Techniker, reisen mit der Station an, überwachen den Anschluss, nehmen die USV-Systeme in Betrieb, kontrollieren alle Funktionen, sind bei einer evtl. IT-Anbindung behilflich, weisen das Bedienpersonal ein. Und das war’s dann eigentlich schon. Es gibt Kunden, die wünschen einen Techniker permanent vor Ort – auch diesen Wunsch erfüllen wir. Ist das Event zu Ende, wird die Station wiederum von unserem USV-Techniker zurückgenommen, kontrolliert, verladen und zurückgefahren. All das benötigt sehr wenig Zeit im Vergleich zu einer Inhouse-Montage. Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung zum Transport: Wir können auch die großen USV-Systeme mit unserem eigenen Werksverkehr anliefern und abholen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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