Hohe Einsparpotenziale durch Raumautomation

Selbst die effizienteste Bau- und Anlagentechnik übt nahezu keinen Einfluss darauf aus, welcher Energiebedarf durch die Nutzung eines Gebäudes verursacht wird. Die kleinste Einheit ist hier sicherlich jeder einzelne Raum. Eine energieeffiziente Raumautomation bietet hohe Einsparpotenziale.

Eine energieeffiziente Raumautomation bietet hohe Einsparpotenziale. (Bild: Dial GmbH)

Eine energieeffiziente Raumautomation bietet hohe Einsparpotenziale. (Bild: Dial GmbH)


Verfügen die Nutzer eines Gebäudes über das richtige Bewusstsein und ausreichend Zeit, könnte man einen effizienten Gebäudebetrieb grundsätzlich mithilfe einer konventionellen Bedienung der technischen Anlagen in einem Raum verantworten und auf dieser Basis Wärme, Kälte, Luft und Licht bedarfsgerecht zur Verfügung stellen. Ist ein solches Verhalten des einzelnen Nutzers aber wirklich zu erwarten? Schaltet er Heizung und Kühlung aus, wenn das Fenster offen ist? Schaltet er Heizung, Kühlung, Lüftung und Licht aus, wenn er den Raum verlässt? Reduziert er die Beleuchtung, wenn ausreichend Licht vorhanden ist? Diese Beispiele lassen sich beliebig fortführen. Ein solches Verhalten scheint eher unrealistisch zu sein. Insbesondere wenn der Nutzer nicht auch Käufer der erforderlichen Energie ist, sind Zweifel angebracht. Die genannten Beispiele zeigen eine eklatante Lücke in den konventionellen, statischen Strategien zur Gestaltung energetisch hocheffizienter Gebäude. In der aktuellen DIN V 18599 ‚Energetische Bewertung von Gebäuden‘ werden deshalb solche Überlegungen erstmals in Teil 11 ‚Gebäudeautomation‘ berücksichtigt und treten mit der neuen Energieeinsparverordnung in Kraft. Strukturell entsprechen die hier aufgeführten Automatisierungsgrade den gleichnamigen Funktionsklassen A-D der EN 15232 ‚Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement‘, wobei Effizienzklasse A besonders hoch effiziente Automationssysteme beinhaltet und Effizienzklasse D quasi als ‚Sanierungsfall‘ gilt.
 Neubau DIAL, (D) Lüdenscheid 2013 (Bild: Dial GmbH)

Neubau DIAL, (D) Lüdenscheid 2013 (Bild: Dial GmbH)

Audit-Methodik für Gebäude- automationssysteme

Allerdings finden die in EN 15232 aufgeführten GA-Faktoren zur Reduktion thermischer und elektrischer Endenergie gängiger Gebäudetypen, weder in der energetischen Gesamtbilanzierung nach DIN V 18599 eine ausreichende Berücksichtigung, noch in den führenden Gebäudezertifizierungssystemen wie BREEAM, LEED oder DGNB. Um diese Lücke zu schließen führt die ‚eu.bac‘ (european building automation controls association) ab 2013 eine neue Audit-Methodik für Gebäudeautomationssysteme ein. Anders jedoch als EN 15232 basiert das eu.bac-System auf einem gewichteten Verfahren: Nicht das ganze Gebäude wird energetisch klassifiziert, sondern seine einzelnen Räume und Zonen. Das ist viel praxisnäher, denn in der Regel wird z.B. ein Flur anders konditioniert und automatisiert als ein Büro. Allerdings ist die Realisierung einer hohen Zertifizierungsstufe alles andere als ein Selbstläufer, sondern bildet den Endpunkt eines anspruchsvollen Weges, der durch den gesamten Gestaltungsprozess eines Gebäudes führen kann, wie das folgende Beispiel zeigt:

Raumautomation in der Praxis

Mit Blick auf das Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen ‚Die Regionale 2013‘ in Südwestfalen entwickelt die Stadt Lüdenscheid unter dem Stichwort ‚415m über NN Denkfabrik‘ einen neuen Bildungsstandort. Derzeit errichtet hier Dial einen Neubau für bis zu 100 Mitarbeiter die in den Bereichen Licht, Gebäudetechnik, Architektur und Technik sowie Software tätig sind. Architektur und technisches Gesamtkonzept (Gebäude-System-Design) wurden im eigenen Hause gestaltet und unter der Federführung von Dial bis Ende 2012 realisiert.

Hohe Einsparpotenziale durch Raumautomation
Bild: Dial GmbH Bild: Dial GmbH


Das könnte Sie auch interessieren

Smarter Home – Maßstab im intelligenten Heim

Viele Unternehmen dringen mit Einzel- oder DIY-Lösungen in den Markt für Smart Home-Systeme. Aber sind die auch in vielen Jahren noch up-to-date?‣ weiterlesen

Interview mit Christoph Börsch von B.E.G.

Das KNX-System ist eines der weltweit führendes BUS-Systeme. Wir sprachen mit Christoph Börsch, Produktmanager KNX bei B.E.G. über die Weiterentwicklung der KNX-Präsenzmelder.‣ weiterlesen

Anzeige
Ein Smart Home muss nicht teuer sein

Ein Holzhaus überrascht mit cleverem Energiekonzept und vor allem mit einem gutem Preis: inkl. Grundstück und allen technischen Finessen kostete das Smart Home nur 310.000€.‣ weiterlesen

Sigfox. Das bessere LoRa?

‚Stromverbrauch innerhalb des Spitzenlasttarifs von 7:00 bis 7:10 Uhr heute 2 kW‘, ‚Bezahltes Prepaid-Volumen zu 80 Prozent verbraucht‘ oder ‚eMobility Ladestation frei‘. Diese und viele weitere Informationen kann man nun mit wenige Euro teurer Logik und ohne Verbindungskosten ins Internet transportieren, um sie von dort aus an die Smartphones der Kunden und Managementsysteme von Liegenschaftsbetreibern und Industrieunternehmen zu übermitteln. Eigene Gateway-Infrastrukturen braucht es dafür nicht. Jeder Sub-Meter sowie auch Hauptzähler oder MUC kann sich selbst in die Cloud bringen, wenn er das offene Sigfox Netz nutzt, das in vielen Ländern schon flächendeckend vorhanden ist, für Smart Metering eingesetzt wird und das auch aus Kellern heraus Kilometerweit funken kann. Auch in Deutschland sind bereits viele Ballungsgebiete versorgt. 2018 soll der flächendeckende Netzausbau abgeschlossen sein.‣ weiterlesen

Berker KNX-Tastsensorik

Die Berker KNX-Tastsensorik ist breit aufgestellt und das Design der Bedienelemente kann der Bauherr ganz nach eigenem Geschmack aussuchen. ‣ weiterlesen

Das Smart Home auf dem Smartphone

Ein Jahr nach der Markteinführung erhält der Smart Visu Server von Jung ein Update.

‣ weiterlesen