Anzeige

Gebäudesanierung im laufenden Betrieb

Neue Steuerungstechnik, alte Feldgeräte

Wer seine Immobilie wohl überlegt saniert, verbessert weit mehr als nur das Aussehen. Sanierungen helfen Energie zu sparen und erhöhen den Nutzerkomfort. Neue Steuerungstechnik einzubauen, ohne die vorhandenen Feldgeräte zu verändern, bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich.

Das eingesetzte Wago-I/O-System 750 ist besonders platzsparend und verf?gt über eine sehr große Zahl an Schnittstellen. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Das eingesetzte Wago-I/O-System 750 ist besonders platzsparend und verfügt über eine sehr große Zahl an Schnittstellen. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Während in der breiten Öffentlichkeit vor allem prunkvolle Neubauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg Bewunderung finden, wissen Fachleute: eigentlich ist die Sanierung die Königsdisziplin im Baugewerbe. Einerseits muss sich die neue Technik den vorhandenen Gegebenheiten beugen, andererseits gelten für Sanierungen die selben Qualitätsansprüche in Sachen Nutzerkomfort und Nachhaltigkeit, wie für einen Neubau. Auch für die Gebäudetechnik ergeben sich dabei Einschränkungen. Der Platz im Schaltschrank beispielsweise ist fix – und ziemlich knapp, wenn Steuerungs- und Regelungskomponenten eingebracht werden sollen, wo früher keine oder wenig Automation eingesetzt wurde. Die neue Technik muss zudem in der Lage sein, alte Sensoren und Regler einzubinden – beispielsweise Temperaturfühler, die keine standardisierten, analogen oder digitalen Werte liefern, sondern ein herstellerspezifisches Signal. Oftmals sind zudem LON-, KNX- oder MBUS-Netzwerke vorhanden, die weiterhin genutzt werden sollen oder müssen. Um eine funktionsfähige und betriebssichere Gebäudeleittechnik und Raumautomation zu ermöglichen, werden Steuerungssysteme benötigt, die sich flexibel in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen.

Neben dem I/O-System kommen auch andere Komponenten von Wago zum Einsatz, wie Netzger?te (im eine prim?r getaktete Stromversorgung), Relais und Reihenklemmen. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Neben dem I/O-System kommen auch andere Komponenten von Wago zum Einsatz, wie Netzgeräte (im Bild  eine primär getaktete Stromversorgung), Relais und Reihenklemmen. (Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG)

Neue Steuerung für bestehende Strukturen

Vor einer solchen Herausforderung stand auch die Ingenieurplanungsgesellschaft Ecotec aus Bremen, als sie sich 2015 entschied, die Regelungen und Steuerungen der MSR-Technik in fünf Büro- und Verwaltungsgebäuden zu erneuern, in denen Ecotec auch Mieter ist. Die Bürogebäude sind zwischen 1997 und 2001 entstanden, umfassen insgesamt mehr als 20.000 Quadratmeter und sind prall gefüllt mit gebäudetechnischen Lösungen: Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung, Kühlung durch Betonkernaktivierung, Heizung durch Fernwärme aus Müllverbrennung und Rechnerabwärme, Sonnenschutzsteuerung, automatische Dimmung der Beleuchtung mit Hilfe von Helligkeits- und Präsenzsensoren, berührungslose Zutrittskontrollen, Videoaußenhautüberwachung, Förder- und Gebäudeleittechnik, umschaltbare Wärmepumpen in dezentralen Lüftungsgeräten, vernetzte Verbrauchsdatenerfassung per Funk oder Warmwasserbereitung durch thermische Solaranlagen. Es gibt kaum eine Variante moderner Gebäudeausrüstung, die Ecotec nicht selbst erprobt hat und ihren Kunden vor Ort präsentieren könnte. Dahinter steckt ein entsprechender Forschungsauftrag des damaligen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der Zeit der Erstehung der Gebäude. Entsprechend komplex ist die Gebäudeautomation bei Ecotec – und auch entsprechend stark gefordert. Und weil die dafür eingesetzte Technik inzwischen fast 20 Jahre alt ist – ein sehr langer Zeitraum in diesem Bereich – stand eine Sanierung ins Haus. Die Anforderungen sind dabei stets gleich: Die Modernisierung muss bei laufendem Betrieb erfolgen und erneuert wird nur die Regelungs-und Steuerungstechnik. Alle anderen Komponenten einschließlich der kompletten Sensorik bleiben bestehen. Das bedeutet, die neue Technik muss in die bestehende Gebäudeinfrastruktur eingepasst werden. Nach der Fertigstellung sollen alle Gebäude über einen zentralen Server gesteuert werden. Zu integrieren sind unter anderem die Heizungsregelung mit Fernwärmeübergabestation, die Ansteuerung der Heizungspumpen über das GENIbus-Protokoll, die Solaranlage zur Warmwasserbereitung, die Betonkerntemperierung, die KNX-Anlage sowie die Regelung von Lüftungsanlagen und Kälteerzeugern. Aber auch die Störmeldeerfassung, die Lüftung der Tiefgaragen oder die automatische Bewässerungssteuerung der Grünanlagen sind betroffen.

Gefragte Features: Vielseitigkeit und Flexibilität

„Eine Gebäudesanierung ist häufig komplizierter als ein Neubau. Das gilt natürlich besonders, wenn so viel Technik im Gebäude ist wie bei Ecotec und dann auch noch alle Komponenten außer der Steuerung bestehen bleiben sollen“, sagt Jörg Bormann, Geschäftsführer der Bormann Elektrobau GmbH, die die Umbauten im Auftrag von Ecotec ausführt. „Da braucht man eine Lösung, die nicht starr ist. Sonst lässt sie sich unmöglich in die bestehende Infrastruktur eingliedern.“ Neben der Komplexität der Aufgabe gab es für die Bormann Elektrobau GmbH vor allem eine Herausforderung: Die neue MSR-Technik muss wegen der Vielzahl der zu integrierenden Komponenten über eine sehr große Zahl an Schnittstellen verfügen. Gut außerdem, wenn sie darüber hinaus nicht zu viel Platz benötigt, denn dieser ist auch begrenzt. Weil Wago bei beiden Anforderungen gegenüber der Konkurrenz punktet, fiel die Auswahl auf das Wago-I/O-System 750. Ecotec-Geschäftsführer Matthias Limberg betont: „Wago ist bekannt für die sehr große Zahl an Schnittstellen. Uns war es wichtig, eine feldbusunabhängig designte Lösung zu bekommen, damit wir auch in Zukunft flexibel bleiben.“ Darüber hinaus sind auch weitere Komponenten von Wago verbaut, beispielsweise Netzgeräte, Relais und Reihenklemmen. Für TGA-Planer Limberg ist die Arbeit am eigenen Objekt auch eine Chance mal das zu machen, wofür er selbst sich sonst nicht ganz so viel Zeit nehmen kann: „Zusammen mit dem ausführenden Elektrobetrieb haben wir uns ganz in Ruhe alle Steuerungs- und Regelungsfunktionen angesehen. Auch die, die über Jahre niemand gebraucht hat“, berichtet er. An deren Stelle sind zahlreiche neue Funktion integriert worden, die vorwiegend der Energieersparnis und dem Smart Metering dienen. Obwohl der Umbau noch nicht abgeschlossen ist, zieht Limberg schon einmal Bilanz: „Das hat auf jeden Fall riesen Spaß gemacht.“ Das Beispiel zeigt außerdem: Auch eine ordentliche Bestandaufnahme und die kritische Auseinandersetzung mit den bestehenden Systemen gehört zu einer gelungenen Erneuerung der Gebäudetechnik dazu.


Autoren | Stephan Lampe und
Julia Ockenga,
Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG
www.wago.com

Empfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Unter dem Motto ‚100 Jahre Building Automation‘ feiert die Theben AG in diesem Jahr ihr 100-jähriges Firmenbestehen. 1921 von Paul Schwenk unter dem Namen ‚Spezialfabrikation elektr. Schaltapparate‘ gegründet, hat sich das Unternehmen im Laufe seiner Geschichte zu einem der führenden Hersteller in den Bereichen Zeit- und Lichtsteuerung, Klimaregelung, KNX-Gebäudesystemtechnik, Smart Home und Lösungen zur Digitalisierung der Energiewende entwickelt. Zeit also, sich die bewegte Firmengeschichte einmal genauer anzuschauen. ‣ weiterlesen

Anzeige

Sommer, Sonne, Sonnenschein – momentan gibt es jeden Tag Grund zur Freude über Sonnenstrahlen, die nach dem langen Corona-Lockdown den Besuch im Biergarten und die Gartenfeier noch schöner machen. Doch auch in diesem Jahr warnen Meteorologinnen und Meteorologen vor einem Hitzesommer. Gerade in der Hochsaison bis August brennt die Sonne oft stark vom Himmel: Dann haben Beschattungssysteme ihre große Stunde. ‣ weiterlesen

Anzeige

Digitalisierung und Konnektivität sind richtungsweisende Entwicklungen des 21. Jahrhunderts – mit enormem Einfluss auf die Gebäudebranche. Automatisierte Gebäudetechnik gehört dabei längst zum Standard moderner Gebäude. Doch wie viel smarte Automation braucht ein Gebäude wirklich und wie lässt sich die zunehmende Technik in Gebäuden sinnvoll und zukunftsfähig managen? Wir haben mit Daniel Wehmeier, Head of Industry Management Building Technology beim Mindener Komponenten- und Systemanbieter Wago, darüber gesprochen, was Cloud-Systeme ausmacht und wann sie sich wirklich lohnen. ‣ weiterlesen

Anzeige

Mit zunehmenden Ansprüchen an den Gebäudebetrieb steigen auch die Anforderungen an ein Facility Management. Da Automationssysteme gleichzeitig komplexer werden, müssen zur Bedienung und Visualisierung eingesetzte Softwarelösungen einige Eigenschaften aufweisen, um einen ressourcenoptimierten Betrieb zu gewährleisten: Sie sollten kontinuierlich an Erfordernisse angepasst werden, individualisierbar sein und sich durch eine übersichtliche Gestaltung auszeichnen. Deshalb hat Sauter seine Gebäudemanagement- und Visualisierungssoftware Sauter Vision Center (SVC) nun erneut um Features ergänzt. ‣ weiterlesen

Anzeige

FP Inovolabs ist als Anbieter von Lösungen für die Automatisierung von Prozessen bekannt. Nun stellt das Unternehmen mit dem NeoMonitor ein neues SaaS-Angebot für die Digitalisierung von Gebäuden vor. Die Lösung besteht aus IoT-Gateways, Mobilfunkkonnektivität und einer Cloud-basierten Steuersoftware. ‣ weiterlesen

Neuberger setzt bei Raumautomationsprojekten verstärkt auf KNX und Dali. „Open.Room ermöglicht integrale und gewerkeübergreifende Lösungen“, so Jürgen Metzger, Vertriebsleiter bei Neuberger. Besonders die Integration von Raumfunktionen wie Beleuchtung, Raumklima, Sonnenschutz, Raumbedienung und -anzeige bringt Vorteile für alle Beteiligten. ‣ weiterlesen