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Eine kleine Kulturgeschichte des Badezimmers

Moderne Badezimmer bieten jegliche Art von Luxus. Sie sind in Sachen Design und Technik auf dem neuesten Stand und lassen keine Wünsche offen. Egal ob puristisch oder romantisch verspielt, das Badezimmer bietet einen Raum der Regeneration. Hier geht es um mehr als bloße Sauberkeit oder das Verrichten menschlicher Bedürfnisse. Aber nicht immer waren Bäder Wohlfühloasen. Auf das Notwendigste – oder nicht einmal das – beschränkt, begleiteten sie ihre Benutzer durch die Jahrhunderte. Um Ihnen zu zeigen, wie sehr sich heutige Badezimmer von früheren unterscheiden und welch wechselvolle Geschichte Sanitäreinrichtungen durchgemacht haben, haben wir diese kleine Kulturgeschichte für Sie zusammengestellt.
Bilder: Villeroy & Boch
Die Geschichte des Badezimmers ist lang. Funde belegen, dass bereits 4.500 v.Chr. die Paläste der Herrscher von Mesopotamien mit tönernen Wannen ausgestattet waren. Auf der Insel Kreta existieren Belege für Häuser mit üppig ausgestatteten Badezimmern nebst separaten Toiletten. Körperpflege gehörte also schon damals zur Lebensqualität. Mit der Entwicklung einer funktionsfähigen Warmwasserversorgung gelangte die Badekultur um 400v.Chr. nach Griechenland. Die Römer übernahmen die dort vorhandenen Anlagen und integrierten sie in öffentliche Badehäuser und in die Paläste der Oberschicht. Schon die Griechen und Römer erkannten dabei die regenerative Wirkung des Bades, das fester Bestandteil ihrer Kultur war und in prächtigen Marmorbädern eine seiner schönsten Ausprägungen fand.

Holzzuber statt Marmorbad

Das Mittelalter gilt auch im Hinblick auf die Hygiene- und Badekultur als finstere Epoche. Der Luxus der Marmorbäder wich dem Purismus und dem zweifelhaften Komfort eines Holzzubers. Burgen und Klöster verfügten oftmals über Baderäume, wobei sie zur Warmwasserversorgung gerne – falls erreichbar – Thermalquellen nutzten. Die Hygiene stand im Mittelalter jedoch nicht im Vordergrund, wenn es ums Baden ging. Das gemeinsame – nackte – Baden galt als gesellschaftliches Ereignis und bot neben Musik und reichhaltigen Speisen nicht zuletzt amouröse Abwechslung. Freudenhaus und Badehaus waren damals kaum zu unterscheiden. Mit dem Aufkommen der Syphillis fand das freizügige mittelalterliche Badevergnügen jedoch ein Ende.

Puder statt Wasser

Im Barock hielt man nicht viel vom Baden und von der Körperpflege im Allgemeinen. Statt zu Wasser und Seife griff man, besonders in der Oberschicht, lieber zu Puder und Parfüm, um den eigenen Gestank zu übertünchen. Man ängstigte sich vor den vermeintlichen Gefahren, denen der Körper durch den direkten Kontakt mit dem Wasser ausgesetzt wäre. So fanden denn auch Flöhe und Läuse in den üppigen Perücken und Gewändern einen idealen Nistplatz. Als Beleg sei hier ein Zitat von Königin Margarethe von Navarra (1527-1558) angeführt, mit dem sie ihren Liebhaber bezirzte: „Sehen Sie meine schönen Hände, seit acht Tagen habe ich sie nicht gewaschen“. Diese vehemente Abneigung gegen Wasser hinderte die Oberschicht jedoch nicht daran, kostspielige und pompöse Badezimmer bauen zu lassen, die jedoch einzig der Repräsentation dienten.

Aufklärung in Sachen Körperpflege

Erst im Zuge der Aufklärung kam dem Wasser und somit dem Badezimmer als Ort der Körperpflege wieder die verdiente Bedeutung zu. Im 19. Jahrhundert wurde es im Bürgertum üblich, sich ein Badezimmer einzurichten. Jetzt erhielten auch die Gegenstände fürs Bad, wie Waschschüsseln, Spiegel, usw. ihre spezielle Formgebung. Das Badezimmer im Haus blieb aber noch lange Zeit ein Luxus der Privilegierten. Um 1800 kannten die meisten europäischen Städte noch keine geregelte Wasserversorgung, und es war üblich, das reinigende Nass in Kübeln herbeizuschleppen. Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein galt ein eigenes Badezimmer vielerorts als Luxus. Oft behalf man sich mit einem Waschzuber in der Küche, denn für ein Badezimmer mussten ein extra Zimmer, ein beheizbarer Boiler und eine Wanne vorhanden sein. Diese Voraussetzungen konnten die damaligen beengten Wohnungen leider oft nicht erfüllen. Eine Zwischenlösung stellte hier das so genannte Frankfurter Bad dar. Diese Art von Badezimmer bestand lediglich aus einer Badewanne, die z.B. in der Küche aufgestellt wurde.

Funktionalität statt Luxus

Funktionalität galt bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein als oberstes Gebot in Sachen Badezimmerausstattung. Die Badezimmer waren klein, und lediglich die Farbe der Kacheln passte sich dem jeweiligen Zeitgeschmack an. In den vermeintlich dezenten und frischen Pastellfarben der 50er Jahre gehalten, trifft man sie heute noch in einigen Wohnungen an. Die 70er Jahre brachten einen Umschwung hin zu kräftigeren Farben. Badezimmer erstrahlten in kräftigem Orange, Grasgrün oder Braun. Heutige Bewohner halten auch diese Farbgebung meist nicht für besonders geschmackvoll. Erst in der 1990er Jahren wurden Bäder heller und großzügiger konzipiert und aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Man hatte endlich erkannt, welche versteckte Wohlfühloase auch in den kleinsten Räumen schlummern kann.

Stiefkind Badezimmer heute

Heute ist ein Badezimmer, auch in Mietwohnungen, ein selbstverständlicher Standard. Jedoch sind die Räume oft klein oder lieblos ausgestattet. 10m² gelten heute als Idealmaß, wobei 31% der Wohnungen, also mehr als 10Mio. Bäder, maximal 6m² groß sind. Kacheln und Sanitäreinrichtungen sind zum Glück sehr haltbar, was viele Menschen daran hindert, Modernisierungen vorzunehmen. Zudem ist die Renovierung eines Badezimmers oft aufwendig und teuer. Frei nach dem Motto „Das Wasser funktioniert, ich kann mich säubern“ wird der Sanitärbereich bei Modernisierungen leider oft stiefmütterlich behandelt. Elektrik und Wasser galten bis vor wenigen Jahrzehnten als unvereinbare Gegensätze. Das hat sich zum Glück geändert. Immer mehr Menschen wissen die Möglichkeiten moderner Gebäudetechnik zu schätzen und möchten diese auch im Bad- und Sanitärbereich nutzen – ob Musikberieselung unter der Dusche, Fernsehen in der Badewanne oder das Schminken vor einem perfekt ausgeleuchteten Spiegel. Die gesamte Gebäudetechnik ist heute in ein ganzheitliches System eingebunden, das auch den Bad- und Sanitärbeireich mit einschließt. Unsere Rubrik Life & Stile möchte Ihnen immer wieder Lust auf ein modernes Bad in ansprechendem Design und mit moderner Technik machen. Lesen Sie auch in unseren nächsten Ausgaben über Entwicklungen und Technologien aus der Erlebniswelt Bad.
(ssp)

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