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Effizienz und Sicherheit: Gebäudeautomation in der Industrie

Was ihre Produkte angeht, können die Unternehmen kaum unterschiedlicher sein. Die Bionorica SE erforscht die Heilwirkung von Pflanzen und produziert mit diversen Technologien pflanzliche Arzneimittel. Firmensitz ist Neumarkt in der Oberpfalz. Liebherr produziert an der Ostsee in Rostock große Krananlagen. Gemeinsam ist beiden Unternehmen, dass sie in ihren Liegenschaften Gebäudeautomation einsetzen. So steigern sie u.a. die Energieeffizienz, schonen Ressourcen, verbessern die Sicherheit der Produktion und erhoffen sich bessere Arbeitsbedingungen.
Seit über 75 Jahren geht die Bionorica SE den Geheimnissen der Natur nach, um aus Pflanzen Medikamente zu entwickeln und herzustellen. ‚Das Beste, was der Mensch kann, mit dem Besten verbinden, was die Natur uns bietet‘, diese Philosophie setzte Bionorica Vorstandschef Prof. Dr. Michael Popp auch bei der Planung der neuen Unternehmenszentrale in Neumarkt um. Das Gebäude sollte beste Umweltverträglichkeit und größtmögliche Energieeffizienz garantieren. Wände, Fenster und Türen des 2007 fertig gestellten Gebäudes sind optimal gedämmt. Automatisierte Lüftungsöffnungen sorgen für natürliche Belüftung ohne Energieeinsatz. Die Photovoltaikmodule im Flachdach und weitere Solarmodule an der Südfassade haben eine Leistung von 45kW. Ein Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk erzeugt 140kW Wärme und 100kW Strom. Seine Abwärme beheizt das Brauchwasser der Produktion und die Gebäudeheizung. Im Winter wird es durch einen Pelletkessel mit 450kW thermischer Leistung unterstützt. Die Raumklimatisierung wird im Winter über einen Kühlturm und im Sommer durch Absorptionskälteanlagen, welche die Prozessabwärme nutzen, sichergestellt.

Umfassende Anlagenintegration

Seit 1988 arbeitet Bionorica mit Kieback&Peter, Niederlassung Nürnberg, zusammen. Kieback&Peter-Gebäudeautomation steuert und regelt die Heizung und Klimatechnik im originären Verwaltungsgebäude, die komplexe Raumlufttechnik in den Laboranlagen und die Prozesstechnik in der Produktion. Auch das neue Verwaltungsgebäude ist mit moderner Gebäudeautomation ausgestattet. Heizung, Kühlung, Lüftung werden von drei Automationsstationen DDC3200 gesteuert. Außerdem hat das Gebäude eine Einzelraumregelung, die energieeffizient für gute Arbeitsbedingungen und Komfort sorgt. Die Gebäudeautomation des Neubaus wurde in das vorhandene Automationssystem der Liegenschaft integriert.

Energiezentrale mit BHKW

Ebenfalls integriert wurde die neue Energiezentrale mit dem BHKW, dem Pelletkessel und der Kälteerzeugung. Überwacht und bedient wird das System über ein Gebäudemanagement-System Neutrino-GLT mit mehreren über Ethernet verbundenen, mit PHWIN ausgestatteten externen Bedienplätzen. Auch die Bionorica-Anlagen in Consell, Mallorca, sind über Modem und Telefon angebunden. Die Prozesstechnik im dortigen Sprühturm, in dem die Pflanzenextrakte getrocknet werden, wird durch eine Automationsstation DDC3200 geregelt, die ihre Daten zur Zentrale nach Neumarkt schickt.

Energieeffizienz, Sicherheit und Transparenz

Prof. Dr. Popp fasst die Vorteile der Gebäudeautomation zusammen: „Der Verwaltungsneubau und die Energiezentrale können energetisch optimal abgeglichen werden. Über die Einzelraumregelung im Neubau kann jeder Mitarbeiter in seinem Büro das gewünschte Klima einstellen. Sämtliche Funktionen oder Störungen der Anlagen werden sofort angezeigt. Die Systeme laufen sehr stabil. Versorgungssicherheit ist für unsere Produktion enorm wichtig.“

Liebherr in Rostock

Das weltweit tätige Familienunternehmen Liebherr zählt nicht nur zu den größten Baumaschinenherstellern der Welt, sondern ist auch auf vielen anderen Gebieten als Anbieter technisch anspruchsvoller, nutzenorientierter Produkte und Dienstleistungen anerkannt. So ist Liebherr auch weltweit einer der größten Hersteller von Kranen. Das 2002 gegründete Liebherr-Werk Rostock produziert seit 2005 direkt an der ‚Kaikante‘ groß dimensionierte Maschinen und hochwertige Krane für Häfen und Schiffe. Die mehrere hundert Tonnen schweren Riesen werden beispielsweise beim Umladen von Waren von Schiff zu Schiff, für den Bau von Offshore-Windanlagen, von Bohrinseln oder Pipelines eingesetzt. Das Werk Rostock hat heute rund 900 Mitarbeiter.

Liegenschaftsweite Gebäudeautomation

Liebherr legt großen Wert auf gute Arbeitsbedingungen, Energieeffizienz, sorgfältigen Umgang mit Ressourcen und Umweltschutz. Deshalb setzte das Unternehmen bei der Überwachung und Steuerung der Gebäudetechnik des Werkes von Anfang an auf Gebäudeautomation und die Zusammenarbeit mit der Kieback&Peter-Niederlassung Rostock. In den Hallen für Montage, Lackierung und Versand und im Verwaltungsgebäude sind das Automationssystem DDC3000 und das Gebäudemanagement-System Neutrino-GLT installiert. Kieback&Peter lieferte außerdem Stellantriebe, Ventile und Messwertgeber. Die Gebäudeautomation wurde passgenau auf die Anforderungen des Betriebs zugeschnitten.

Neun Informationsschwerpunkte

Das Automationssystem besteht derzeit aus neun Informationsschwerpunkten, über welche die Gewerke Heizung, Lüftung, Beleuchtung und Sanitär überwacht und geregelt werden. Beispiele sind die Hallenheizung über Gasstrahler und die Beleuchtung in 61 Zonen. Für Warmwasser sorgen 40 Solarpanels auf den Dächern. Die Wärmeenergie wird in Pufferspeichern gespeichert und nach Bedarf abgegeben. Diese umweltfreundliche Warmwasserbereitung wird ebenfalls durch das Automationssystem geregelt. Integriert ist auch die Jalousiesteuerung über LON mit technolon-Jalousiecontrollern. Die Automationsstationen kommunizieren mit dem Gebäudemanagement- System Neutrino-GLT über das interne Unternehmensnetzwerk. Der GLT-Server steht in der Unternehmens-EDV. Auf den Arbeitsplätzen der Mitarbeiter ist das System über PHWIN verfügbar. Auf der Neutrino-GLT ist das gesamte System einschließlich integrierter Komponenten wie Wärmezähler oder Pumpen visualisiert. Integriert ist auch die Verbrauchsüberwachung von Strom, Wasser und Wärme. Das Gebäudemanagementsystem lässt sich erweitern und an Veränderungen anpassen.

DDC4000 und Einzelraumregelung

Um die Produktionskapazitäten der Nachfrage anzupassen, baut Liebherr zurzeit in Rostock eine weitere große Stahlbauhalle. Diese ist 750m lang und 80m breit. Die Fertigstellung ist für 2011 vorgesehen. In der neuen Halle wird das Automationssystem DDC4000 installiert. In den acht Informationsschwerpunkten der neuen Halle steuern die Automationsstationen unter anderem rund 1.000 Halogenstrahler an der Decke, die Heizung mit Gasstrahlern, diverse Lüftungsanlagen und Umluftkühlgeräte. In zwei Bereichen der Halle wird außerdem das technolon-System eingesetzt. Im großen Ausbildungsbereich sorgt eine LON-Einzelraumregelung mit technolon für Komfort und Energieeffizienz, im Sozialbereich sichern technolon-Jalousiecontroller den Blendschutz. Das Automationssystem umfasst aber noch weitere Aspekte: Integriert sind auch die Überwachung der Torsteuerung, Nebenanlagen wie Kompressoranlagen und technische Gase sowie die Überwachung der Fluchttüren.

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