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Interview mit Dr. Wald Siskens

Die Firma EnOcean, Entwickler batterieloser Funktechnologie, bietet seine Funkmodule und White-Label-Produkte seit Kurzem unter der neuen Produktmarke ‚Dolphin – Self-powered IoT by EnOcean‘ an. GEBÄUDEDIGITAL sprach mit Dr. Wald Siskens, bis Dezember 2016 CEO von EnOcean, über die Gründe dafür. Außerdem erläutert er, wo die größten Wachstumspotenziale für EnOcean liegen. Mittlerweile hat Dr. Wald Siskens das Unternehmen verlassen, um sich einer neuen Herausforderung bei Apple Inc. zu stellen. Das Interview wurde Ende 2016 geführt.

Dr. Wald Siskens

Können Sie etwas über die Historie Ihrer Firma erzählen? Seit wann gibt es die EnOcean GmbH und wie ist Ihr Unternehmen heute aufgestellt?

Die EnOcean GmbH ist der Entwickler der patentierten batterielosen Funktechnologie, die unter der Marke Dolphin vertrieben wird. Das Unternehmen mit Sitz in Oberhaching bei München produziert und vertreibt batterielose Funksensorlösungen für wartungsfreie Anwendungen im Internet der Dinge. Dolphin-Produkte werden für die Gebäude- und Industrieautomation, das Smart Home und die LED-Lichtsteuerung eingesetzt. Die Produkte von EnOcean basieren auf miniaturisierten Energiewandlern, äußerst stromsparender Elektronik und zuverlässiger Funktechnik auf Basis offener Standards. Führende Produkthersteller setzen für ihre Systemlösungen seit 15 Jahren auf die Funkmodule von EnOcean und haben weltweit bereits mehr als 400.000 Gebäude ausgestattet. Batterielose Funksensorlösungen auf Basis des EnOcean-Funkstandards im Sub-1-GHz-Bereich (ISO/IEC 14543-3-1x) sind seit 15 Jahren im Einsatz. Als Promotor der EnOcean Alliance, die sich mit über 400 Mitgliedern im Bereich der Gebäudeautomation engagiert, bietet EnOcean seinen Kunden die Vorteile eines Ökosystems aus interoperablen batterielosen Funksensorlösungen. Durch die stetige Weiterentwicklung von Systemlösungen mit wartungsfreien Funkschaltern und -sensoren trägt das umfangreiche EnOcean-Ökosystem dazu bei, Gebäude flexibler, energieeffizienter und kostengünstiger zu machen.

Ihre Produkte nutzen das Energy-Harvesting-Prinzip. Können Sie kurz die Technologie erklären? Wo kommt die benötigte Energie her? Wo liegen die Vorteile gegenüber anderen Systemen?

Die Dolphin-Module nutzen das Energy-Harvesting-Prinzip, bei dem Energie aus der Umgebung für die Versorgung energieautarker Funksensornetze gewonnen wird. Eine Besonderheit der Technologie sind miniaturisierte Energiewandler, die Bewegung, Licht oder Temperaturdifferenzen in elektrische Energie umwandeln. Gemeinsam mit einem effizienten Energiemanagement-System ermöglicht die Energy-Harvesting-Technologie die Kommunikation zwischen wartungsfreien IoT-Geräten auf Basis verschiedener Funkstandards wie EnOcean, ZigBee und Bluetooth. Vernetzte Geräte bilden die Basis für das Internet der Dinge. Sie verarbeiten große Mengen von Sensordaten, um unseren Alltag einfacher, sicherer und komfortabler zu gestalten. Die Dolphin-Module von EnOcean liefern einen wichtigen Baustein für diese umfassende Vernetzung: energieautarke, funkbasierte Sensoren, die IoT-Systeme zuverlässig mit Daten versorgen. Wartungsfreie Funksensornetze erhöhen die Systemleistung und Verfügbarkeit, denn sie eliminieren batteriebedingte Ausfälle und reduzieren so den Wartungsaufwand. Zudem sind sie ressourcenschonend und ermöglichen nachhaltige Lösungen, da weniger Kabel und Batterien benötigt werden. Insbesondere Batterien sind sehr teuer in der Wartung und schaden der Umwelt, da sie regelmäßig entsorgt werden müssen.

EnOcean bietet seine batterielosen Funkmodule und White-Label-Produkte jetzt unter der neuen Produktmarke ‚Dolphin – Self-powered IoT by EnOcean‘ an. Was waren die Gründe für diesen Schritt? Wie ist der Vertrieb organisiert?

Der EnOcean-Funkstandard im Sub-1GHz-Frequenzbereich ist bereits seit 15 Jahren erfolgreich auf dem Markt etabliert, auch Dank des Erfolgs der EnOcean Alliance. Häufig wird von unseren Kunden der Begriff ‚EnOcean‘ mit dem Standard für batterielose Funktechnik verbunden. Dabei wird keine Unterscheidung zwischen dem Firmennamen des Technologielieferanten EnOcean (GmbH) und der gleichnamigen Bezeichnung des Funkstandards gemacht. Mit der Erweiterung unseres Produktportfolios um 2,4GHz-ZigBee- und 2,4GHz-BLE-Module stehen wir mittlerweile aber für mehr als nur den EnOcean-Funkstandard. Aus diesem Grund bieten wir unsere Produkte zukünftig unter der Produktmarke Dolphin direkt an Produkthersteller oder Distributoren an.

EnOcean hat jetzt, wie bereits von Ihnen erwähnt, das Produktportfolio erweitert und bietet seit Oktober 2016 parallel zum Sub-1GHz-EnOcean-Funk auch batterielose Funkmodule für den Einsatz in ZigBee- und BLE-Systemen im 2,4GHz-Bereich an. Wie sieht das Dolphin-Portfolio jetzt in seiner Gänze aus?

Das Dolphin-Portfolio umfasst batterielose Funkmodule für die Nutzung in der Gebäudeautomation und im Smart Home mit EnOcean-Funk im Sub-1-GHz-Bereich: ‚868 MHz EnOcean‘ für Europa, ‚902 MHz EnOcean‘ für Nordamerika und ‚928 MHz EnOcean‘ für Japan. Zum Dolphin-Portfolio gehören außerdem Funkmodule für ZigBee- und BLE-Systeme im 2,4GHz-Bereich, die sich weltweit im Smart Home und für die moderne Lichtsteuerung einsetzen lassen. Die Produktlinien ‚868 MHz EnOcean‘ für Europa, ‚902 MHz EnOcean‘ für Nordamerika und ‚928 MHz EnOcean‘ für Japan bestehen aus batterielosen, funkbasierten Schalt-, Sensor- und Empfangsmodulen sowie diversen Tools. Sie basieren auf dem von der EnOcean Alliance eingeführten EnOcean-Funkstandard (ISO/IEC 14543-3-1X) im Sub-1-GHz-Bereich, der sich aufgrund seiner hohen Zuverlässigkeit und einer Funkreichweite von bis zu 30m in der Gebäudeautomation und im Smart Home hervorragend bewährt hat. Dank standardisierter Sensorprofile wird die Interoperabilität von über 1.500 Produkten aus dem EnOcean-Ökosystem gewährleistet, was die Entwicklung interoperabler Systemlösungen ermöglicht. Ergänzend dazu umfasst das Dolphin-Portfolio die Produktlinie ‚2,4GHz ZigBee‘ mit batterielosen Funk-Schaltmodulen sowie einem Funkempfänger für ZigBee-Systeme im 2,4GHz-Bereich, die weltweit in Smart-Home-Anwendungen eingesetzt werden können. Darüber hinaus enthält das ‚2,4 GHz BLE‘-Portfolio ein Funk-Schaltmodul für BLE-Systeme mit NFC-Funktionalität für die moderne Lichtsteuerung. Ab 2017 werden auch funkbasierte 2,4GHz-BLE-Sensoren angeboten.

Am Anfang waren die Produkte von EnOcean in Anwendungen für die Gebäudeautomatisierung nutzbar. Mittlerweile hat die Technologie auch in Industrie- und Smart Home-Anwendungen und in Anwendungen zur LED-Lichtsteuerung Einzug gehalten. Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Wie sehen Sie die langfristige Entwicklung der batterielosen Funktechnologie?

Grundsätzlich sehen wir Wachstum in allen Bereichen. Großes Wachstumspotenzial sehen wir in Anwendungen zur LED-Lichtsteuerung, zum Beispiel in der Nutzung BLE-basierter Beleuchtungssysteme, denn BLE-fähige Lösungen gewinnen in der modernen Lichtsteuerung zunehmend an Bedeutung. Neue Kunden aus dem Silicon Valley, wie beispielsweise GOOEE, setzen bei der LED-Lichtsteuerung bereits auf BLE. An diesen Markttrend knüpfen wir an und stellen nun den passenden Schalter für BLE-basierte Beleuchtungssysteme im 2,4GHz-Frequenzbereich bereit. Ein Effekt, den wir bei einigen unserer Kunden aus dem Bereich der Lichtsteuerung sehen, ist, dass diese mit Anfragen nach 2,4GHz-Lösungen an uns herantreten und sich letztendlich für eine Sub-1GHz-Lösung entscheiden. Da wir ein komplettes Portfolio batterieloser Schwaltanwendungen auf Basis verschiedener Funkstandards (Sub-1GHz, ZigBee, BLE) anbieten, haben Kunden die Möglichkeit, eine für sich passende Lösung zu finden. Auch das Thema Internet der Dinge wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen, da laut Schätzungen bereits im Jahr 2025 Trillionen vernetzter IoT-Sensoren in Betrieb sein werden. In intelligenten Gebäuden kann mithilfe vernetzter Sensoren beispielsweise eine Überwachung des Raumklimas, die Nutzung der Konferenzräume oder die Analyse der optimalen Beleuchtung am Arbeitsplatz erfolgen. Mit unseren energieautarken Funksensoren liefern wir einen wichtigen Baustein für diese umfassende Vernetzung. Denn nur mithilfe von Energy-Harvesting-Technologien lassen sich große Mengen von IoT-Sensoren effizient betreiben und IoT-Systeme mit zuverlässigen Daten versorgen.


www.enocean.com

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