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Dr. Johannes Milde, CEO der Siemens-Division Building Technologies: „Deutschland ist einer der führenden Märkte in der gewerkeübergreifenden

Integration“
Ende September fand in Essen zum 20. Mal die Security, Weltleitmesse für Sicherheits- und Brandschutztechnik, statt. Wir trafen dort Dr. Johannes Milde, CEO der Siemens-Division Building Technologies, und sprachen über die Marktentwicklung und Trends im Bereich Sicherheitstechnik und Gebäudeautomation.
GD: Wie unterscheiden sich die Marktentwicklungen im Bereich Sicherheitstechnik in Europa, Amerika, Asien, Brasilien oder Indien? Wo sehen Sie die Wachstumstreiber?
Zurzeit sind die Marktentwicklungen weltweit sehr heterogen. Sehr schlecht entwickelt hat sich in den letzten Monaten Südeuropa, das ist verständlich. Da ist der Markt erheblich geschrumpft. Relativ gut ist die Entwicklung in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und z.T. auch in Skandinavien. Aber insgesamt geht es in Europa doch eher rückwärts als vorwärts, was die Marktentwicklung betrifft. Amerika hat seit der Krise immer noch nicht wieder zum Aufschwung gefunden. Offensichtlich ist, dass die eigentlichen Wachstumsmärkte wie China und Indien inzwischen langsamer wachsen. Building Technologies ist in China in den letzten Jahren immer um die 20% gewachsen. Dieses Jahr wird unser Wachstum eher einstellig sein. Und Märkte wie Indien und Brasilien sind sogar rückläufig – kurz, das Bild ist extrem heterogen.

GD: Kann man diese Entwicklung für alle Bereiche gleich beobachten oder ist der Bereich Sicherheitstechnik ein Sonderfall, der herausragt?
Nach unserer Einschätzung stellt er sich nicht besonders anders dar. Die Brandschutztechnik ist mit den Themen Neubau und Renovierung gekoppelt, von daher korreliert sie sehr stark mit der Gesamtwirtschaft. Anscheinend ist das ein Gewerk, das man nicht immer unbedingt braucht. Brandschutz braucht man, weil es vorgeschrieben ist, Sicherheitstechnik kann man installieren oder nicht, je nach Bedrohungssituation. Wenn ich die Situation aus der Perspektive des Gebäudetechnikers insgesamt betrachte, sticht postitiv eher das heraus, was sich mit Energieeinsparungen befasst. Der Rest geht mehrheitlich mit der Wirtschaftsentwicklung konform, aber Energieeinsparungsthemen werden stärker nachgefragt.

GD: Das führt schon zu meiner nächsten Frage. Wie sehen die Markttrends im Bereich Gebäudeautomation und Energieverteilung aus – welche Wachstumstreiber sind dort im Moment vorhanden?
Die Trends sind unterschiedlich. Was zur Grundausstattung von Gebäuden gehört, um dieses in Betrieb nehmen und betreiben zu können, wird grundsätzlich gebraucht: Ob das Elektrotechnik, Brandschutz, Sicherheit oder Automatisierungstechnik ist. Wir sehen, dass die Nachfrage nach Messlösungen steigt. Das heißt also nach Lösungen, die Energieverbräuche messen, Transparenz schaffen, Vergleiche zwischen verschiedenen Gebäuden erlauben, sowohl in Unternehmen als auch in ganzen Städten. Diese Themen sind stark im Kommen. Wir haben zum Beispiel erst vor ein paar Wochen einen Auftrag bekommen, bei einer großen Bank in der Schweiz über 900 Gebäude messtechnisch zu erfassen. Die Idee ist, dass man über das Messen der Verbräuche Hinweise darüber erhält, wie der Zustand der Gebäude ist, um dann gezielt Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten. Im Gebäudemanagement wird das Thema verbessertes Steuern und Befördern von Personenflüssen in öffentlichen Gebäuden wie Hochhäusern immer wichtiger. Hier muss eine Abstimmung mit der Aufzugssteuerung erfolgen. Das Zusammenspiel von Zugangskontrolle und Aufzügen ist hierbei ein Thema, das zunehmend kommt. Wichtig ist die Nutzung von Informationen aus den vielen Teilsystemen für die Gesamtoptimierung. Es ist zwar nicht so, dass alle Kunden das nachfragen, jedoch werden es immer mehr. Deutschland ist diesbezüglich einer der führenden Märkte in der gewerkeübergreifenden Integration.

GD: Fassen Sie einmal zusammen, wo die Schwerpunkte von Siemens-Division Building Technologies liegen. Welchen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang Technologiepartnerschaften?
Siemens ist ein großer Konzern, der zahlreiche Themen abdeckt, aber auch wir stellen nicht die ganze Vielzahl von Technologien, die im Gebäude eingesetzt werden, komplett bereit. Wir wollen natürlich überall dort führend sein, wo es um Integration geht, wo es um die Anwendung von Technologie in öffentlichen Gebäuden und Städten geht. Was die Bereitstellung der Technologie angeht, haben wir uns auf die Intelligenz von Gebäuden spezialisiert. Dazu gehören Automatisierungssysteme, Branderkennungssysteme, Sicherheitslösungen, die auf IT- und Softwarebasis funktionieren, Sensorik und Aktorik, die notwendig ist, um die Verteilung von elektrischem Strom zu schützen und zu managen. Weitere Schwerpunkte sind Systeme, die nötig sind, um Heizung, Lüftung und Klima zu regeln, Branderkennung sowie automatische Brandlöschung in Form von Trockenlöschung oder Gaslöschung, und last but not least Informationsverteilung an Betroffene im Notfall. Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel geben: Wir haben uns entschieden, die Videotechnik nicht selbst voranzutreiben, sondern arbeiten hier mit Partnern zusammen. Einer unserer Hauptpartner in diesem Segment ist Bosch. Um eine Technologie wie Videotechnik adäquat und state-of-the-art zu betreiben, benötigt man ein gewisses Volumen. Die Videotechnik ist daher eine Technologie, die wir zukaufen. Eine Firma, die sich mit dem Thema ‚hauptamtlich‘ befasst, kann letztendlich mehr in die Entwicklung investieren als jemand, der das primär für den Eigenbedarf tut.

GD: Können Sie beobachten, dass der Bereich Dienstleistung in den letzten Jahren gewachsen ist? Wie wichtig ist dieses Thema für Building Technologies?
Grundsätzlich ist es so, dass Dienstleistungen ein äusserst wichtiges Paket in unserem Portfolio sind. Wir erwirtschaften etwa 30% unseres gesamten Umsatzes mit unterschiedlichen Dienstleistungen, Tendenz steigend. Wir sind dabei, diesen Bereich sehr stark auszubauen. Die Nachfrage in den einzelnen Märkten ist sehr unterschiedlich. In reifen Märkten steigt die Nachfrage nach Dienstleistungen, auch nach höherwertigen. In neuen Märkten wie China, Brasilien und Russland, steht das Bauen von Infrastrukturen im Vordergrund und die Dienstleistungsfrage wird erst noch folgen. Wenn der Schwerpunkt darauf liegt, Quadratmeter bereitzustellen und Infrastrukturen zu schaffen, sind es eindeutig die Lösungen und Produkte, die im Vordergrund stehen. Wenn es aber darum geht, bestehende Infrastrukturen zu optimieren und Betriebskosten zu senken, dann steigt die Nachfrage nach Services. Wir haben unser ganz normales Dienstleistungsgeschäft kontinuierlich steigern können, stärker als der Markt, und zwar zum heutigen Zeitpunkt hauptsächlich in Europa und in Amerika. Zudem sind wir dabei, komplett neue Arten von Dienstleistungen aufzubauen. Auch hierfür gebe ich Ihnen ein Beispiel: Wir beraten heute schon Kunden in Amerika ganzheitlich in der Frage, wie sie sich energietechnisch aufstellen sollen, z.B. eine Universität, die sich Fragen stellt wie: Soll sie den Strom kaufen, soll sie Solarpanels aufstellen, lohnt sich ein Blockheizkraftwerk – diese Art Beratungen bieten wir heute unseren Kunden an. Wir machen zudem Beratungen über die Beschaffung von Energien: Wie kaufe ich Energie am besten ein? Das geht bis hin zur Optimierung ihrer Gebäude – und weiter über die ganze Wertschöpfungskette bis hin zur Finanzierung von Projekten.

GD: Zur Security: Was haben Sie an Trends und Innovationen auf der Messe entdeckt und entsprachen diese Ihren Erwartungen?
Auf der Security zeigt sich, dass die Industrie geprägt ist von sehr vielen verschiedenen Technologien im Sensorbereich. Was mir aufgefallen ist beim Rundgang: Sowohl wir als auch andere Firmen haben neue Wireless-Lösungen auf den Markt gebracht. Wir stellen zum Beispiel ein neues Wireless-Fire-Detection-System vor, das noch robuster, noch stabiler, noch weniger störanfällig ist. Es gibt eine große Auswahl an Sensortechnik. Gestern ist eine Firma ausgezeichnet worden für eine neue Technologie, die lange Strecken überwachen kann. Dann gibt es natürlich viele, zum Teil auch inkrementelle Fortschritte in der ganzen Computertechnik, die nötig ist, um einfacher mit den Systemen umzugehen, intuitiver zu arbeiten und bessere Interaktion zu erreichen. Ein sehr wichtiger Schritt ist die voranschreitende Standardisierung von Schnittstellen sowie die Integrationsmöglichkeiten. In diesem Bereich gibt es markante technologische Fortschritte. Zudem gibt es eine andere Art von Innovation, die man nicht auf den ersten Blick erkennt: Das ist der Fortschritt in der Kompetenz, wenn es darum geht, aus der Vielzahl von Technologien für eine bestimmte Anwendung das geeignete Produktportfolio zusammenzustellen. Auch bei diesem Thema profiliert sich Siemens. Zwischen dieser Vielzahl von Technologien und auch zwischen Spezialisten und dem Anwender, der beispielsweise eine Raffinerie sichern will oder ein Stadthaus, braucht es unbedingt Vermittler, die diese Technik nutzbar machen und integrieren. Für diese Aufgabenstellung kommen wir mit neuen Angebotsbündeln auf den Markt, und zwar für alle wichtigen vertikalen Märkte. Ein ebenfalls wichtiger Trend ist, dass sich das Thema Sicherheit für viele Unternehmen von der einzelnen Betriebsstätte auf die Firma als Ganzes verlagert. Es gibt mehr und mehr unternehmensweite Lösungen, mit denen eine Firma ihre Standorte zentral überwachen kann und im Notfall die Möglichkeit besteht, dank Videotechnik einzugreifen. Das Unternehmen kann somit zentral Gegenmaßnahmen bei Störungen ergreifen. Die Vernetzung dieser ganzen Welt ist ein extrem wichtiger Aspekt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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