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‚Der Schlüssel zu grünen,
intelligenten Gebäuden‘

Mit ISO/IEC14543-3-10 hat die International Electrotechnical Commission (IEC) kürzlich einen neuen internationalen Funkstandard ratifiziert. Er ist der erste und einzige Funkstandard, der einen extrem niedrigen Energieverbrauch vorsieht und damit auch für Energy-Harvesting-Anwendungen optimiert ist. GEBÄUDEDIGITAL sprach mit Laurent Giai-Miniet, seit Oktober 2011 CEO von EnOcean, über die Standardisierung des EnOcean-Funks und die Bedeutung für funkbasierte Smart Home-Lösungen.
GD: Herr Giai-Miniet, wie wichtig ist die Ratifizierung des Standards für EnOcean?
Der Standard ist für uns ein Meilenstein in der Firmengeschichte von EnOcean. Er zeigt, wie erfolgreich die batterielose Funktechnologie am Markt etabliert ist. Gleichzeitig unterstreicht die Ratifizierung auch die großen Potenziale, die noch in der Energy-Harvesting-Technologie stecken. Wir erwarten von der Standardisierung neue Impulse für noch effizientere Funklösungen und auch für die Erschließung neuer Energiequellen. Das umfasst auch weitere Lösungen für Smart Home oder Smart Grid. Der Standard ist ein deutliches Signal: Die batterielose Funktechnologie hat den Sprung zur echten Alternative zu batteriebetriebenen oder kabelgebundenen Lösungen geschafft.

GD: Wie viel EnOcean steckt im neuen Standard?
EnOcean hat die Entwicklung des neuen Standards vom ersten Tag an aktiv unterstützt und die für den Ratifizierungsprozess notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt. Wir haben damit einen wichtigen Teil des EnOcean-Funks – also neben Energy Harvesting und dem Energiemanagement eines der drei Kernelemente unserer Technologie – für die Allgemeinheit geöffnet. Insgesamt stehen interessierten Entwicklern oder Unternehmen jetzt drei Schichten als offenes Funkprotokoll zur Verfügung: Physical, Data Link und Network Layer. Auf dieser Basis können OEMs ‚EnOcean-kompatible‘ Produkte entwickeln, wie beispielsweise Funkempfänger oder -sensoren.

GD: Wie unterscheidet er sich von anderen Funkstandards für die Gebäudeautomation?
Eines der Haupteinsatzgebiete der Energy-Harvesting-Funktechnologie ist die Gebäude- und Heimautomation. Denn die meisten Automatisierungsfunktionen im Gebäude erfordern lediglich eine kurzzeitige Übertragung von jeweils wenigen Informationen. Dazu gehören das Schalten von Licht und Geräten, das Steuern von Jalousien und vor allem die Übertragung der Informationen von Funksensoren wie Temperatur-, Feuchte-, Positions- oder CO2-Sensoren. Alle diese Anwendungen erfordern ein Funkprotokoll, das mit einem besonders niedrigen Energieverbrauch arbeitet. Und genau dafür ist der ISO/IEC-Standard optimiert.

GD: Wodurch zeichnet sich diese Optimierung aus?
Das Protokoll arbeitet mit sehr kurzen Funktelegrammen, die mehrfach übertragen werden. Der Energiebedarf ist dabei so gering, dass es Sensoren und Schalter ohne Kabel und Batterien ermöglicht. Zusätzlich nutzt der Standard ein wenig belastetes Frequenzband, das Interferenzen vermeidet. Das Ergebnis ist eine stabile, besonders energiesparende Funkkommunikation, die den Einsatz von kleinen, kosteneffizienten und wartungsfreien Energiewandlern erlaubt. Hinzu kommt, dass aktuell mehr als 850 EnOcean-basierte, interoperable Produkte der EnOcean Alliance bereits dem neuen Standard entsprechen. Für Entwickler und Hersteller bedeutet das: Mit dem Standard profitieren sie gleichzeitig von einer umfassenden Praxiserfahrung sowie einer großen Produkt- und Installationsbasis.

GD: Welche Anwendungen adressiert der ISO/IEC-Standard?
Dieser Standard ist der Schlüssel zu grünen, intelligenten Gebäuden. Nach wie vor liegt in Gebäuden das größte Einsparpotenzial für den weltweiten Primärenergieverbrauch. Um dieses Potenzial zu erschließen, benötigen wir batterielose, also wartungsfreie, Sensoren und Sensornetzwerke, die Daten an so vielen Verbrauchsstellen wie möglich zuverlässig messen und übermitteln. Der regelmäßige Austausch von Batterien ist für ein solches vernetztes System nicht praktikabel. Ein entscheidender Faktor ist zudem die nahtlose, systemübergreifende Kommunikation verschiedener Geräte und Steuerungszentralen. Nur so lässt sich beispielsweise das Smart Grid, ein intelligentes Stromnetz, verwirklichen. Für beide Anforderungen bietet der ISO/IEC14543-3-10 die optimale Basis: ein offenes Kommunikationsprotokoll für batterieunabhängige Energy-Harvesting-Lösungen. Zusammen mit den Anwendungsprofilen (EnOcean Equipment Profiles, EEPs) der EnOcean Alliance schafft der internationale Standard somit die Voraussetzungen für eine vollständig offene Funktechnologie – und das für zahlreiche Anwendungen wie Smart Home, Smart Grid sowie für Industrie, Logistik oder Transport.

GD: Stichwort Smart Home: Welche Entwicklungen sehen Sie hier in der EnOcean-Welt?
Besonders im Smart-Home-Bereich gibt es derzeit viele spannende, neue Lösungen, die den neuen Funkstandard bereits integrieren. Beispielsweise lässt sich die Gebäudetechnik mithilfe der Steuerungssoftware BSC-BoSe der BSC-Computer GmbH sowie einem auf der batterielosen Funktechnologie basierenden Sensornetzwerk jetzt auch über die Sprachsteuerung von Smartphones und Tablets bedienen. Dadurch können Anwender Jalousien, Licht, Heizung und Klima sowie Anwendungen für Ambient Assisted Living quasi ‚auf Zuruf‘ steuern. Das Zuhause wird zunehmend in unser vernetztes Leben integriert – und bietet dadurch Funktionen für mehr Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz. Durch ihre Flexibilität und den offenen Kommunikationsstandard ist die EnOcean-Funktechnologie die optimale Basis für ein Smart-Home-System.

Herr Giai-Miniet, vielen Dank für das Gespräch.
(hsc)

INFORMATION:
ISO/IEC14543-3-10 – ein neuer internationaler Funkstandard
ISO/IEC14543-3-10 Information Technology – Home Electronic Systems (HES) – Part 3-10: Wireless Short-Packet (WSP) Protocol optimized for Energy Harvesting – Architecture and Lower Layer Protocols ist der erste Funkstandard, der für Lösungen mit einem besonders niedrigen Energieverbrauch und Energy Harvesting-Technologie optimiert ist. Der Standard deckt die Schichten 1 bis 3 des OSI (Open Systems Interconnection)-Modells ab und umfasst damit den Physical-, Data Link- und Network-Layer. Die Anwendungsebene wird durch die EnOcean Alliance definiert.
Der Standard steht unter www.iso.org zum Download zur Verfügung.

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