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ConLife: Das Haus als Plattform

Morgen ist alles besser. Morgen ist die Welt smart. Heute aber steht der Markt der Heimvernetzung noch am Anfang – so in etwa der Tenor der Veranstaltung ConLife, die Ende Juni zum zweiten Mal in Köln stattfand. Eindrücke von der Konferenz.
Hans-Joachim Otto vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die Branche noch ein gutes Stück vom Massenmarkt entfernt sei. „Wir haben hervorragende Forscher, aber es mangelt an der Umsetzung in die Produkte“, so Otto. Auch die Handwerker würden sich zu wenig mit dem Thema Smart Home beschäftigen. Umso mehr müssten Verbände und Industrie in die Aus- und Weiterbildung investieren.

Apps pushen den Markt

Friedrich Joussen vom Verband Bitkom interpretiert die momentane Lage als Goldgräberstimmung: „Wer früh agiert, ist später erfolgreich“. Was den Markt jetzt antreibt, das sei vor allem der Ausbau des Mobilfunknetzes; oder anders: die Verbreitung des Smartphones. Denn seit Apps in aller Munde sind, denken die Menschen ganz anders über Heimvernetzung: Ist doch hip, wenn man die Geräte in seiner Wohnung mit dem iPhone oder seinem HTC steuern kann. Wie dem auch sei, auf jeden Fall lassen sich Applikationen leicht handhaben.

Googles Android@Home

Google hat Mitte Mai das Projekt Android@Home vorgestellt, und das bringe auf jeden Fall frischen Wind in die Branche. Das Unternehmen verfolgt den Ansatz eines offenen Ökosystems, sieht dieses als Plattform für neue Applikationen. Damit füllt Google eine Lücke, die bislang offensichtlich von jeder anderen Firma übersehen wurde. Hierzulande hat sich die Industrie über Jahre hinweg viel zu sehr mit proprietären Standards beschäftigt. Oftmals behindern zudem Sicherheitsaspekte die Produktion, sodass eine Firma mitunter gezwungen ist, ihr Gerät neu zu entwickeln. Das sollte sich auf jeden Fall schnell ändern, sagten viele Sprecher.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Anderen Referenten zufolge hängt die Entwicklung auch von der Entwicklung des Smart Grid ab. So meinte zum Beispiel Gabriele Riedmann de Trinidad von der Telekom, man dürfe es nicht losgelöst voneinander, sondern müsse Smart Grid, Smart Metering und Smart Home in der Gesamtheit betrachten. Schließlich gehe es den Kunden am Ende sowohl um Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Wenn der Einzelne sieht, was er exakt einspart, wenn sich ein Haushalt mit anderen vergleichen kann, dann habe die Technik auch ihren Reiz, so weitere Sprecher wie etwa Lars Weber von E.ON Metering.

Smart Grid, Smart Metering und Smart Home

Arnold Picot von der Ludwigs-Maximilians-Universität München sprach in Köln über eine Studie, bei der 1.000 Menschen befragt worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass es den meisten Leuten wichtig ist, die vorhandenen Ressourcen effizienter zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher noch vor der Atomkatastrophe in Fukushima. Insofern dürfte es umso wichtiger sein, das Haus der Zukunft als Plattform zu verstehen, in der Smart Grid, Smart Metering und Smart Home im Verbund miteinander verzahnt sind.

Zu viele neue Aufgaben

Doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg. Ein Grund hierfür ist, dass viele Handwerker zu wenig wissen. Da sich die Technologien so rasant entwickeln, müssten Aus- und Fortbildungszentren Fachleute in regelmäßigen Abständen auf den aktuellen Stand bringen. Jürgen Boyny von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meinte, diesbezüglich sei die Branche in den letzten Jahren nicht weitergekommen. Das Problem: viele unterschiedliche Disziplinen, die ein Techniker auf einmal beherrschen muss. Andererseits biete die Entwicklung Chancen für Quereinsteiger. Petra Schmieder vom ZVEH ist sich jedoch sicher, dass sich etwas bewegt: „Das Handwerk wird modern“, sagte sie überzeugt während einer Diskussionsrunde. Günther Ohland von der SmartHome Initiative Deutschland hingegen ist der Meinung, dass dem Handwerker das breite Wissen fehle. Zudem würden sich Architekten als Künstler sehen und vor Strom ekeln.

Gebäudeenergiemanager

Heimvernetzung an sich ist kein neues Thema. Dennoch steht die Branche am Anfang. Dass Menschen diverse Funktionen innerhalb ihrer eigenen vier Wände via Smartphone und Tablet-PC steuern können, betrachtet Petra Schmieder als „einen starken Treiber“. Umso dringender scheint es, dass Bildungsinstitutionen ihr Angebot ausweiten, sollen Berufe wie der des Gebäudesystemtechnikers oder des Gebäudeenergiemanagers im Telefonbuch keine Seltenheit mehr sein. (fmg)

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