Photovoltaik nicht nur auf dem Dach

Kühler Kopf dank solarer Fensterläden

Die bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) bildet noch immer eine Nische – sowohl im Bauwesen als auch in der Photovoltaik. Dabei zeigt sich immer häufiger, welche gestalterischen Möglichkeiten die BIPV Architekten und Bauherren bietet. Bei der Sanierung eines ehemaligen Wirtschaftsgebäudes wurden die PV-Module mit Steckverbindern aus der Serie Sunclix mini von Phoenix Contact verkabelt.
Ein wenig verschlafen liegt das kleine Dorf Nechlin – umgeben von weiten Feldern und ausgedehnten Storchenwiesen – etwa eineinhalb Autostunden nordöstlich von Berlin im Landkreis Uckermark. Doch was sich inmitten des Ortskerns auftut, überrascht: Das Schnitterhaus – ein Paradebeispiel der bauwerkintegrierten Photovoltaik.

Energetisches Gesamtkonzept

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude wurde vor wenigen Jahren mit viel Liebe zum Detail saniert. Früher diente es zur Unterbringung von Saisonarbeitern, so genannten Schnittern, die beim Einfahren der Ernte halfen. Im Zuge der Sanierung wurde aus einer baufälligen Energieschleuder ein Niedrigstenergiegebäude, das ungefähr so viel Strom erzeugt, wie innen verbraucht wird. „Bei der aufwändigen Sanierung wurden altbewährte Baumaterialen für ein energetisches Gesamtkonzept durch zahlreiche PV-Komponenten ersetzt, erläutert die renommierte Solararchitektin Astrid Schneider, die die PV in die Gebäudehülle des Schnitterhauses integriert hat. „Die Gebäude-Elemente erhalten durch die Photovoltaik eine Zusatzfunktion, mit der das alte Haus zum innovativen Selbstversorger in Sachen Strom wird“.

Was genau ist BIPV?

Building Integrated Photovoltaics – zu deutsch bauwerkintegrierte Photovoltaik oder auch kurz BIPV – beschreibt die vollständige Integration der Photovoltaik in die Gebäudehülle. Als solche übernimmt die PV die verschiedenen Funktionen der Außenhaut, wie die Eindeckung des Daches, die (dämmende) Fassade, Verschattungselemente, Balkonbrüstungen oder Verkleidungen. Auch in Einfach- oder Isolierverglasungen können Solarzellen integriert werden. Diese Elemente haben primär eine Funktion als Bauelement, aber darüber hinaus dienen sie der Energieerzeugung und wandeln Sonnenlicht in Strom. Spätestens seit der Verabschiedung der neuen EU-Gebäuderichtlinie, die vorschreibt, dass ab dem Jahr 2020 alle neuen Gebäude in ‚Nearly Zero Energy‘ – also nach Möglichkeit im Nullenergiehaus-Standard errichtet werden müssen, führt am Thema BIPV kein Weg vorbei. Denn der minimierte Energiebedarf soll laut EU-Richtlinie – die auch in Deutschland in die Baugesetzgebung umgesetzt wird – durch erneuerbare Energien gedeckt werden, die das Gebäude selbst erzeugt. Schneider: „Vor allem bei großen Gebäuden mit relativ kleiner Dachfläche wird es daher notwendig, auch die restliche Gebäudehülle zur Energiegewinnung zu nutzen.“ Dabei ist die Effizienz der Photovoltaik auch noch außerhalb ihrer optimalen Ausrichtung – circa 30° gen Süden geneigt – durchaus bemerkenswert. Eine Südfassade bringt noch immerhin 70 Prozent des vollen Ertrags. Eine Ost-West-Ausrichtung schmälert den Ertrag zwar geringfügig, ist aber aufgrund ihrer Vorteile in den Morgen- und Abendstunden einer Südausrichtung durchaus ebenbürtig. Vor allem in den Wintermonaten kann die Fassade punkten: Zum einen aufgrund der im Tagesverlauf tiefer stehenden Sonne, die länger die Fassade als die Dachfläche anscheint, zum anderen weil die vertikal angebrachten Module nicht vom Schnee verdeckt werden und somit den ganzen Tag Energie liefern.

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